Selbst- oder Fremdbestimmung bei Abtreibungen?

Von Petra Plonner

Gastkommentare
Petra Plonner ist Schulleiterin, Unternehmerin, Beraterin und Vorsitzende der Bürgerbewegung www.fairändern.at.
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Ein Großteil der Bevölkerung möchte Frauen ein Ja zum Kind ermöglichen.


Ein großer Fortschritt sei es, so wird uns gesagt, dass frau selbst "über ihren Körper" bestimmen kann. Damit ist landläufig der Schwangerschaftsabbruch gemeint. Eine aktuelle Imas-Umfrage im Auftrag von der Bürgerbewegung www.fairändern.at legt allerdings nahe, dass auf jede zweite (ungeplant) schwangere Frau von Personen aus ihrem direkten Umfeld Druck ausgeübt wird. Eine erschreckende Zahl! Der Druck auf die Frau geht längst nicht mehr dahin, möglichst viele Kinder zu bekommen, sondern abzutreiben.

Ein barbarisches Detail: Wenn eine "ernste Gefahr" besteht, dass das Kind eine Behinderung haben wird, ist in Österreich eine Abtreibung bis kurz vor der Geburt möglich. Menschen mit Behinderung sind also eine "ernste Gefahr". Ich überlege schwer, was daran fortschrittlich ist. Und mit mir offenbar ein Großteil der österreichischen Bevölkerung. Denn diese wünscht sich mehrheitlich, dass Frauen Unterstützung erfahren, um ein Ja zum Kind zu ermöglichen, sowohl zum ungeplanten als auch zum vermeintlich behinderten Kind.

Ungeplante Schwangerschaften lassen sich nicht vermeiden. Im Laufe der Geschichte sind Gesellschaften unterschiedlich damit umgegangen. Wir leben in einem reichen, fürsorglichen Sozialstaat, in dem niemand Angst haben sollte, alleine gelassen zu sein. Eine ungeplante Schwangerschaft ist kein dunkler Raum mit einem einzig möglichen Ausweg. Es gibt viele andere Türen, die wir öffnen und anbieten können. Bei geschätzten 30.000 Abtreibungen pro Jahr können wir uns das Wegschauen einfach nicht mehr leisten.

Dass eine Abtreibung keine gute Problemlösung ist, meint auch der Großteil der Befragten. 84 Prozent erwarten sich, dass Ärzte auf Beratungsangebote hinweisen, und 80 Prozent sind für die Einführung einer Bedenkzeit vor einer Abtreibung. Es ist klar, dass ein Schwangerschaftsabbruch nicht mit einem herkömmlichen chirurgischen Eingriff zu vergleichen ist. Die Betroffenen stehen vor einer der schwerwiegendsten Entscheidungen ihres Lebens, die sich tief in ihre Geschichte einbrennen wird. Weil es nun einmal so ist, dass schwanger zu sein nichts anderes bedeutet, als ein Kind zu erwarten. Da kommen wir nicht drumherum. Und wie wir aus der Umfrage und auch aus Beratungen wissen, ist es in den meisten Fällen keine "selbstbestimmte", sondern eine erzwungene Entscheidung. Oder eine unter starkem Druck zustande gekommene Handlung.

Viele Betroffene leiden nach einer ersten Erleichterung jahrelang darunter, besonders dann, wenn sie zu diesem Schritt von außen gedrängt wurden. Wenige sprechen darüber. Außer denjenigen vielleicht, die mit erhobenen Fäusten für starke Selbstbestimmung demonstrieren. Aber eine Abtreibung macht niemanden stärker. Darum sollten wir alles daransetzen, lebbare Alternativen zu bieten - damit Frauen (und Männer) diese Lebenskrise meistern und später gestärkt darauf zurückblicken können. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich jedenfalls die Rahmenbedingungen dazu.