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"Service ist immer ein politisches"

Von Katharina Schmidt

Wissen

Beratung für Studenten bei Fragen rund um Job, Wohnen und Soziales. | Österreich soll mit Deutschland Lösungen für Medizin-Unis überlegen. | "Wiener Zeitung": Das Motto der ÖH ist ja "Politik, die wirkt. Service, das hilft". Was tut die ÖH?


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 17 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Barbara Blaha: Wir bieten insgesamt 16 Broschüren für jeden Aspekt des studentischen Lebens, Arbeitens und Wohnens an - von der Sozialbroschüre bis hin zu dem Steuerleitfaden. Der zweite große Bereich ist die Beratung: In vier Referaten, dem Sozial-, dem Bildungs- und dem internationalen Referat sowie dem Referat für ausländische Studierende beraten wir telefonisch, persönlich und per Email. Dann gibt es die ÖH-Card, die jeder Studierende von uns bekommt. Damit verbunden sind dutzende Verbilligungen und Ermäßigungen - von Ö1 über Museen bis hin zu Zeitungsabos.

Und die "Politik, die wirkt"?

Service ist immer ein politisches: Wir informieren die Studierenden über Gesetze, die sie betreffen. Die Gesetze werden von uns begutachtet, wir nehmen dazu Stellung und versuchen, beim Bildungsministerium möglichst viel für die Studierenden heraus zu holen. Auch in Bereichen, die sich nicht auf der Uni abspielen, wie Wohnen und Arbeiten, versuchen wir, Verbesserungen für die Studierenden zu erreichen.

Die ÖH-Wahl war im Mai 2005. Was haben Sie nach über der Hälfte der Funktionsperiode erreicht?

Schwerpunktmäßig haben wir uns sehr darum bemüht, dass die Zugangsbeschränkungen zurück genommen werden. Das ist uns leider nicht gelungen. An der Evaluierung arbeitet die ÖH aber mit. Sehr begleitet hat uns auch das Problem der Studiengebühren. Jetzt, im Vorfeld der Nationalratswahl, fühlen wir den politischen Parteien auf den Zahn und fragen, welche die Studiengebühren wirklich abschaffen wollen. Auch müssen wir den Studierenden klar vor Augen führen, dass es Parteien gibt, die diese Gebühren nicht nur eingeführt haben, sondern auch nicht vorhaben, sie abzuschaffen.

Sind aber Studiengebühren nicht ein wichtiges Mittel, um die Qualität zu sichern?

Es wird zwar immer so verkauft, dass die Universität das Geld direkt in die Lehre einfließen lassen kann. Es ist aber niemand verpflichtet, sich an eine Zweckbindung für die Lehre zu halten. Seit Einführung der Studiengebühren hat der Bund das Budget gesenkt - unterm Strich haben die Universitäten heute weniger als noch vor sechs Jahren. Dass das Lehrangebot dadurch nicht besser wird, weiß jeder einzelne Studierende aus eigener Erfahrung, wenn er dabei scheitert, in ein Proseminar hineinzukommen oder mit 60 anderen am Fußboden sitzt.

Wäre es nicht besser, eine Zweckbindung der Studiengebühren zu fordern, statt deren Abschaffung?

Wir sind der Überzeugung, dass für universitäre Bildung der Staat verantwortlich ist. Es darf kein Individualproblem sein, ob ich mir mein Studium leisten kann, oder nicht.

Das Bildungsministerium hat doch mit der Quotenregelung bei Medizin etwas eingeführt, was für die Studenten, zumindest für die österreichischen, nicht so schlecht ist.

Vor einem Jahr haben 3000 Österreicher mit Medizin angefangen, jetzt sind es wegen der Quote knapp über 1000. Es wäre wichtig, aufgrund der demografischen Entwicklung zu überprüfen, wie viele Ärzte wir künftig brauchen. Die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan hat angekündigt, die Medizin-Plätze auszuweiten. Dies wäre ein guter Anlass, gemeinsam mit Deutschland Lösungen für die gemeinsame Problematik zu entwickeln. Auch muss man die Frage auf EU-Ebene diskutieren.

Eine Lösungsmöglichkeit?

In Österreich müsste man die Berufsberatung ab der sechsten Klasse fix im Lehrplan verankern. Im Gegensatz zu anderen Ländern haben wir ein extrem verschultes System bis zum 18. Lebensjahr, dann heißt es plötzlich: "Jetzt musst du wissen, was dich interessiert." Dann kann ich nicht erwarten, dass die Maturanten ihre Studienwahl qualitativ treffen. Auch wäre eine gemeinsame Grundausbildung für alle medizinischen Berufe sinnvoll, mit der Möglichkeit, sich danach zu spezialisieren.

Mit dem Universitätsgesetz 2002 (UG) wurde auch die Universitätsautonomie eingeführt. Wie hat sich das auf die Studenten ausgewirkt?

Der Wechsel zwischen zwei Universitäten wird immer schwieriger. Ein noch größeres Problem ist, dass die Universitäten das UG oder andere relevante Gesetze sehr biegsam dehnen. Das Bildungsministerium hat keine Möglichkeit, hier einzuschreiten und ist auf die Rolle des Bittstellers reduziert.

Hat die ÖH auch in den Fachhochschulen Vertreter?

Die Fachhochschulen sind nicht Teil der ÖH, trotzdem ist jede dritte Anfrage von einem der 20.000 FH-Studierenden. Wir wünschen uns für die FH-Studierenden eine genauso gute Vertretung wie für die Uni-Studierenden. Aber seit einem halben Jahr ist die Antwort aus dem Bildungsministerium: Warten wir einmal auf die Wahlen.

Apropos Wahlen: Wird sich die ÖH im Wahlkampf engagieren?

Wir werden die Bildungsprogramme aller wahlwerbenden Parteien durchklopfen und die Studierenden informieren. Und wir werden sie dazu auffordern, wählen zu gehen. Wir geben aber keine Wahlempfehlung ab.

Was erwarten Sie sich von der nächsten Bundesregierung?

Das Studienförderungsgesetz muss geändert werden. Die Stipendien sind seit fast zehn Jahren nicht mehr an die Inflation angepasst worden. Das UG muss in einigen Bereichen novelliert werden. Wir haben auch klare Forderungen für Menschen rund um die Generation Praktikum. Es gibt viele Studierende und Frisch-Akademiker, die sich von Praktikum zu Praktikum hanteln - ohne irgendeine Fixanstellung.

Sie studieren selbst Germanistik, wie sind die Zukunftsaussichten für Studenten mit Orchideenfächern?

Man muss bei der Studienwahl auf das Interesse horchen und nicht gleichzeitig auf den Arbeitsmarkt schielen. Abgesehen von feinen Unterschieden sind ja zum Beispiel Wirtschaftsabsolventen auch nicht weniger arbeitslos als Psychologiestudenten. Daher rate ich zum Studium aus Leidenschaft.