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Sex macht Biosprit billiger

Von WZ Online

Wissen
Trichoderma reesei ist nicht länger asexuell.
© Wikimedia

Wien. Forscher der Technischen Universität (TU) Wien rund um die Biotechnikerin Verena Seidl-Seiboth haben mit biochemischen Tricks den Schimmelpilz Trichoderma reesei dazu gebracht, sich sexuell fortzupflanzen. Das könnte dazu führen, dass Biosprit billiger wird.


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Durch die sexuelle Fortpflanzung des Pilzes können neue Formen gezüchtet werden, die mehr von jenen Zellulose-abbauenden Enzymen enthalten, die für die Gewinnung von Bioethanol aus Holz oder Mais benötigt werden, erklärte die TU Wien am Montag in einer Aussendung.

Trichoderma reesei ist der Hauptproduzent für die biotechnologische Gewinnung von Zellulose-abbauenden Enzymen. Diese werden in der Papier- und Textilindustrie und zur Herstellung von Bioethanol verwendet. Bisher konnte der Pilz nur mit gentechnischen Methoden oder durch künstlich verstärkte Mutation (etwa durch UV-Licht oder mutagene Chemikalien) dazu gebracht werden, mehr Zellulose-abbauende Enzyme zu produzieren.

Nun ist erstmals für einen biotechnologisch in großem Maßstab eingesetzten Schimmelpilz eine sexuelle Kreuzungsmethode entwickelt worden. Bisher galt der Pilz als asexuell - bei der Vermehrung entstanden also immer nur identische Kopien. Eine einfache Stammverbesserung mittels traditioneller Kreuzungsmethoden schien über Jahrzehnte hinweg nicht möglich.

Das TU-Forscherteam hat allerdings erkannt, dass T. reesei nicht völlig asexuell ist, sondern einen Abschnitt in der DNA aufweist, der den Kreuzungstyp des Pilzes - vergleichbar mit dem Geschlecht von Tieren - bestimmt. Aus einer Wildform des Pilzes konnten die Forscher nun die beiden Kreuzungstypen getrennt isolieren, dadurch gibt es nun die für die sexuelle Fortpflanzung nötigen Partner.

"Wir können nun genau sagen, welche DNA notwendig ist, um einen passenden Kreuzungstyp für die industriellen T. reesei Stämme zu erhalten", so Verena Seidl-Seiboth. Die Biotechnikerin vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften wird für diese Entwicklung morgen, Dienstag, von der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie ausgezeichnet.