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Sex und Unsex des Flanellhemds

Von Christina Böck

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"Dieser Körper ist zu fett für Abercrombie & Fitch." Im Netz verbreiten sich derzeit Fotos von üppiger gebauten Damen, die ein solches Schild in die Kamera halten. Sie sind eine Antwort auf die Ansage des Geschäftsführers der angesagten Kleidermarke, der wissen ließ, dass er nur schöne, schlanke Menschen in seinen Shops sehen will. Stellt sich heraus: Es ist schnell einmal keine angesagte Marke mehr, wenn man so einen Unfug sagt. Denn Marktforschung hat ergeben, dass sich die Meinung der kaufkräftigen 18- bis 34-Jährigen (der sogenannten Millennials) zu A&F in der vergangenen Woche rapide verschlechtert hat. Das ist auch im Hinblick auf einen viel diskutierten Artikel des "Time"-Magazins interessant, in dem eben diese Millennials gerade als selbstverliebte, egoistische Generation runtergeputzt wurde. Ganz so platt und hohl dürfte die Zukunftsgeneration doch nicht sein - welche Erleichterung.

Im Gefolge der Debatte um den Sweatshirt-Fabrikanten haben sich findige Menschen auch bei anderen Kultlabels umgesehen. Einer war etwa auf der Homepage der auch sehr angesagten US-Marke "American Apparel" und hat dokumentiert, wie dort "Unisex-Flanellhemden" beworben werden. Theoretisch könnten da Mann und Frau einfach ein Flanellhemd tragen im Online-Katalog. Tatsächlich trägt nur der Mann das Hemd wie ein Hemd, die Frau trägt ihren Flanell ausschließlich - nämlich gleich auch ohne Höschen. Ja, schon klar, Flanell ist nicht wahnsinnig sexy, da muss man sich was einfallen lassen. Es gibt aber immer noch einen Unterschied zwischen sexy und sexistisch.