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Beyrer begrüßt Pecik als Aufsichtsratskandidaten.
| " Eine halbe Milliarde Euro jährlich in Ausbau des Giganetzes".
| Dividende wird aus dem Cashflow bezahlt.
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Wien. Die Hauptversammlung der Telekom Austria Group hat begonnen. Auf dem Treffen der Aktionäre sorgen vor allem zwei große Themen für Spannung: Zum einen die geplante Wahl des neuen Großaktionärs Ronny Pecik in den Aufsichtsrat, zum anderen der Bericht über die forensischen Untersuchungen und zu den getroffenen Maßnahmen in Sachen Korruptionsfälle bei der Telekom.
Pünktlich um 10.00 Uhr begann die Hauptversammlung in der Halle F der Wiener Stadthalle. Die 2000 Sitzplätze wurden nicht bis auf den letzten Platz besetzt, das Gros der anwesenden Aktionäre hat schon das Pensionsalter erreicht. In der ersten Reihe fußfrei wurde auch der Investor Ronny Pecik gesichtet, der zuvor vom Telekom-Aufsichtsratsvorsitzenden Markus Beyrer mit einem breiten Lächeln und einem festen Handschlag begrüßt wurde.
"Ich begrüße Herrn Ronny Pecik als einen Kandidaten für den Aufsichtsrat", sagte Beyer in seiner Einleitung. Wie berichtet hält Pecik über seine Privatstiftung RPR und die Marathon Zwei Beteiligungs GmbH – gemeinsam mit dem ägyptischen Investor Naguib Sawiris - rund 20,18 Prozent der Aktien der Telekom Austria.
"Schuldige zur Verantwortung ziehen"
Neue Erkenntnisse waren von jenem Tagesordnungspunkt erwartet worden, der sich mit den mutmaßlichen Korruptionsfällen im teilstaatlichen Unternehmen befasst. "Im Jahr 2011 haben sich uns Verdachtsmomente eröffnet, mit denen niemand gerechnet hätte" sagt Beyrer zur mutmaßlichen Affäre um die Manipulation des Telekom-Aktienkurses im Jahr 2004, wodurch Boni in Form eines Stock Options-Programmes ausgelöst wurden. "Ich kann nachvollziehen, wenn sie als Aktionäre verärgert zu dieser Hauptversammlung gekommen sind." Man müsse die Schuldigen zur Verantwortung ziehen, damit die Telekom wieder unbelastet ihren Geschäften nachgehen kann. Die Rückforderung der ausgezahlten Beträge wurde veranlasst.
95 Personen haben aus dem Stock-Options-Programm erhalten. Die, die diese finanzielle Vergünstigung redlich erhalten haben, wehren sich laut Beyrer mit Anwälten und Arbeiterkammer gegen eine Rückzahlung. 30 Prozent der Nutznießer sind noch im Unternehmen tätig; man einigte sich mit dem Großteil auf 70 Prozent des damaligen Nettobezuges als Rückzahlung. Ametsreiter hat den gesamten Betrag zurückerstattet. "Einige der ehemaligen Vorstände haben Beträge teilweise zurückgezahlt oder treuhändig erlegt", sagt Beyrer. In Höhe von 10,3 Millionen Euro hat sich die TA dem Strafverfahren angeschlossen.
Die Ergebnisse der BDO-Prüfung
Danach präsentierten die deutschen BDO-Prüfer Markus Brinkmann und Stefan Kühn die Ergebnisse ihrer "Sonderprüfung", sprich die Aufdeckung unrechtmäßiger Handlungen seit dem Jahr 2000. Dabei wurden auch die Immobilientransaktionen und die Infrastrukturlieferanten überprüft. Rund 844.500 Emails wurden vom 32-köpfigen BDO-Teams gecheckt, davon 106.000 Mails analysiert; 146 "Einvernahmen" wurden geführt und die Buchhaltungsdaten von sechs Gesellschaften analysiert.
"Die in der Öffentlichkeit bereits bekannten Vorwürfe gegen ehemalige Vorstandsmitglieder und ehemalige leitende Mitarbeiter als bekannter Täterkreis haben sich erhärtet", sagt Brinkmann. "Bei Beraterverträgen haben sich weitere vereinzelte Ergebnisse ergeben." Die BDO-Prüfer bestätigen die Ergebnisse eines Deloitte-Berichtes über dubiose Zahlungen an drei Beratungsunternehmen. Auch bei den Infrastrukturlieferanten sind die Prüfer auf Interessantes gestoßen.
"Erkennbare Bevorzugung eines bestimmten Lieferanten bei Vergaben durch einen Ex-Manager der Telekom aus dem Bereich Technik, der zuvor in diesem Unternehmen tätig war", sagt Prüfer Kühn. "Gezielte Preisnachverhandlungen zwecks Bevorzugung eines bestimmten Lieferanten bei zwei Investitionen durch zwei Technik-Mitarbeiter."
Dubiose Immobiliendeals?
"Wir haben keinen Hinweise auf dolose Handlungen bei Immobilienprojekten gefunden", sagt Kühn. Eine Immobilienbewertung entspricht nicht den Grundätzen ordnungsgemäßer Bewertung". Auch die Immobilienbewertung Schillerplatz 4 entspricht nicht dem Standard.
Transaktionen im Bereich Festnetz
Die Prüfung umfasste Akquisitionen und Akquisitionsversuche. "Es gibt Hinweise auf dolose Handlungen", sagt Kühn. Unter anderem einen Beratervertrag über 1,2 Millionen Euro mit ungeklärter Gegenleistung. Die gefunden Unregelmäßigkeiten sind aber nicht systemimmanent.
Transaktionen Mobilfunk in Osteuropa
"Es haben sich Hinweise auf dolose Handlungen in Bezug auf einen Beratervertrag mit ungeklärter Gegenleistung in Höhe von 1,8 Millionen Euro ergeben", sagt Brinkmann. Dazu kam die Rückdatierung von zwei Beraterverträgen. In einem Fall war der Berater zugleich der Verkäufer der Zielgesellschaft. Zugleich wurde ein unangemessenes Beraterhonorar in Höhe von 200.000 Euro entdeckt. "Die festgestellten Unregelmäßigkeiten sind nur punktuell aufgetreten und nicht systemimmanent", sagt der Prüfer. Aber das Problem "fehlenden Dokumentation" zeihe sich aber wie eine roter Faden durch die geprüften Bereiche.
Beraterverträge Festnetz und Mobilfunk
"Es kam zur Bezahlung von Scheinrechnungen für nicht erbrachte Leistungen in Höhe von 3,3 Millionen Euro netto", sagt Brinkmann. Das Datum einzelner Rechnungen liegt vor dem Datum des Angebots. "Es ergaben sich keine Hinweise auf dolose Handlungen im Bereich Mobilfunk."
Behörden-Funk-Projekt
" Es wurden keine Nachweise gefunden, dass Honorarzahlungen an ein Beraterunternehmen in Budapest im Zusammenhang mit dem Projekt Behördenfunk geflossen sind, wie ein ehemaliger Vorstand behauptete", sagt Brinkmann. Auch das Budapester Unternehmen widersprach dieser Behauptung. Es gibt aber bei den Budapestern keine Dokumentation darüber. Fazit des BDO-Prüfers: "Diese Sachverhalte sind final nur in einem Strafverfahren zu klären."
" Eine halbe Milliarde Euro jährlich in Ausbau des Giganetzes"
Bereits vor dem zweiten Tagesordnungspunkt war Vorstandschef Hannes Ametsreiter am Wort. In gewohntem Schnellredetempo rasselt Ametsreiter die Ist-Lage des Konzerns und die umfangreichen Zukunftspläne im In- und Ausland herunter.
"Die Telekom Austria Group will das effizienteste und innovativste Kommunikationsunternehmen in Zentral- und Osteuropa sein", erklärt Ametsreiter sein Ziel. Dann folgt eine Lawine an Zahlen über die Märkte, die Marktanteile und die einzelnen Konzernsparten. Die Telekom wird rund eine halbe Milliarde Euro jährlich in den Ausbau des Giganetzes in Österreich investieren. "Rund 52 Prozent der österreichischen Haushalte sind in der Lage, hohe Datenvolumina mit hohen Übertragungsgeschwindigkeiten zu empfangen oder zu senden", sagt der Vorstandschef. " Die Telekom Austria Group ist der Anbieter digitaler Infrastruktur in Österreich." Nachsatz. "Heute sind schon 3100 Basisstationen an das Giganetz angeschlossen, am Ende des Jahres werden es 4000 sein."
<p class="MsoNormal">Auch der Anteil der Produktbündel, sprich Kombipakete aus Festnetz,TV, Handy und Internet, wächst. "Wir haben weiter Wachstum im Mobilfunkmarkt", sagt Ametsreiter. "Die Smartphones sind die Zukunft, die Smartphone-Penetration ist von 18 Prozent auf 37 Prozent angestiegen." Pro Einwohner gibt es in Österreich durchschnittlich 1,5 Sim-Karten.
Dividende wird aus dem Cashflow bezahlt
Die Telekom-ria-Führung weicht von ihrer Dividendenpolitik nicht ab, die zuletzt auch in der "Wiener Zeitung" vom Anlegervertreter Wilhelm Rasinger massiv kritisiert wurde. Denn die Dividende wird nicht aus dem Ertrag finanziert."
"Der starke Cashflow macht die Ausschüttung einer Dividende möglich und leistbar und ist Teil unserer Mittelverwendungsstrategie" sagt Telekom-Finanzchef Hans Tschuden in der Hauptversammlung." Für 2011 und 2012 wird die Dividende 38 Cent pro Aktie betragen."
Der operative Free Cashflow soll heuer die Marke von 750 Millionen Euro erreichen, 2013 sogar 800 Millionen Euro. Beim Umsatz werden 2012 rund 4,4 Milliarden Euro angepeilt, das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll rund 1,5 Milliarden Euro betragen.
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