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Sibirische Charmeoffensive

Von Karl Leban

Wirtschaft

S7: Versprechen Wien drei Millionen Passagiere bis 2012. | Russen legen ihr Angebot am Freitag. | Wien. Vor zehn Jahren war sie noch eine winzige regionale Fluglinie. Heute ist die einst staatliche S7 Airlines bereits der zweitgrößte russische Carrier nach Aeroflot und im Inlandsverkehr sogar der größte. Der Expansionshunger der früheren Aeroflot-Tochter, die ihre Wurzeln in Sibirien hat, scheint jedenfalls noch lange nicht gestillt.


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Vor allem an einer Partnerschaft mit einem westlichen Luftfahrtunternehmen ist S7-Chef Wladislaw Filew brennend interessiert. Für ihn kommt die AUA-Privatisierung deshalb gerade zur richtigen Zeit.

Dass Filew am Dienstag in Wien vor der Presse massiv die Werbetrommel für S7 gerührt hat, ist ein sicheres Indiz, dass die Russen fix in das Bieterrennen um die AUA einsteigen. Wie aus ihrem Umfeld bestätigt wurde, soll am Freitag ein Angebot auf den Tisch gelegt werden. An diesem Tag endet auch die Frist für die ersten unverbindlichen Offerte. Neben den beiden Favoriten Lufthansa und Air France wird S7 einer von rund einem halben Dutzend Bietern sein.

"Win-Win-Situation"

In Sachen AUA winkt Filew, dessen Frau Natalia mit 65 Prozent die Mehrheit an S7 hält (der Rest ist in Staatshand), mit einem besonderen Zuckerl: "Wir könnten bis 2012 drei Millionen Passagiere aus Russland nach Wien bringen." Eine strategische Partnerschaft mit der AUA (und dem Flughafen Wien) wäre eine "Win-Win-Situation". Filew: "Wir könnten uns gegenseitig helfen, neues Geschäft zu generieren." Für S7 wäre die AUA vor allem ein Türöffner für das Geschäft in Europa und Amerika. Gleichzeitig könnte die AUA auch ihre Rolle als wichtigste Airline nach Osteuropa und Russland beträchtlich ausbauen.

Derzeit hat S7 nur wenige Destinationen außerhalb Russlands - eine davon ist Frankfurt. Über Wien als Drehkreuz für die seit Jahren stark wachsenden Verkehrsströme aus Russland wäre Filew "sehr, sehr happy", zumal Österreich dem Osten des Kontinents geografisch am nächsten liege.

Im Moment umfasst die S7-Flotte knapp 70 Flugzeuge. 33 Maschinen der Typen Tupolew und Iljuschin sollen künftig durch neue Boeing- und Airbus-Flieger ersetzt werden. Bis 2014 hat S7 insgesamt 70 Flugzeuge bestellt, darunter auch 15 Boeing 787 Dreamliner.

Geld scheint für die aufstrebende Fluglinie, die bis März 2006 Siberia Airlines hieß, keine Rolle zu spielen - wohl auch deshalb, weil die finanzkräftige Gazprom Bank, eine Tochter des russischen Gasriesen Gazprom, im Hintergrund steht. Ob sich das beim Bieterwettstreit um die Staatsanteile an der AUA auch in einem stolzen Preis niederschlägt, bleibt abzuwarten.

Name als Startvorteil?

Einen Startvorteil kann den Russen keiner streitig machen: Schon jetzt verbindet die S7 als Schnellbahnlinie die Wiener Innenstadt mit dem Flughafen Wien-Schwechat.