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Sinkende Kundenfrequenz im Einzelhandel

Von Petra Medek

Wirtschaft

Konsumunlust und sinkende Kundenzahlen machten dem heimischen Einzelhandel in der ersten Jahreshälfte 2003 schwer zu schaffen.


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Die politischen Diskussionen der vergangenen Monate unter anderem über die Pensionsreform hätten die Kaufzurückhaltung verstärkt, sagte der Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer, Erich Lemler, am Donnerstag vor Journalisten. Der österreichische Einzelhandel hat in den ersten sechs Monaten 2003 nominell ein kleines Umsatzplus von 1% bzw. real eine Stagnation bei 0,3% verzeichnet, die Kundenfrequenz ging um 2,3% zurück. "Wir hoffen, dass sich das zweite Halbjahr ähnlich entwickelt, aber leicht wird es der Handel nicht haben", so Lemler.

Die pessimistische Grundstimmung unter den Einzelhändlern habe sich zwar etwas gebessert, man erwarte aber in der zweiten Jahreshälfte keine Impulse, fasst Peter Voithofer von KMU Forschung Austria die Halbjahreserhebung seines Instituts zusammen. Umsatzeinbußen meldeten vor allem die Mode orientierten Branchen (Lederwarenhandel nominell minus 12,3%, Uhren- und Schmuckhandel minus 5,5%, Bekleidungshandel minus 3,1%, Schuhhandel minus 1,1%). Den größten nominellen Zuwachs gab es im Sportartikelhandel (plus 9,6%), gefolgt vom Lebensmittelhandel mit plus 3,9%. Die Auswertung nach der Größe der Geschäfte zeigt laut Voithofer, dass in den ersten sechs Monaten nur Outlets mit mehr als 4 Mill. Euro Jahresumsatz zulegen konnten und der Rückgang bei den ganz kleinen mit weniger als 500.000 Euro Umsatz am stärksten war.

Ladenschluss: Lemler "enttäuscht über Wien"

Generell sei man mit der neuen Regelung zum Ladenschluss zufrieden. "Ein bisschen enttäuscht" ist Lemler nach eigenen Worten aber, weil die neuen Ladenöffnungszeiten in Wien nicht weiter ausgeschöpft werden. Es sei nicht verständlich, dass in der Bundeshauptstadt, für die es keine Tourismusregelung gibt, nur ein langer Tag ins Auge gefasst werde. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Wien bei 19.30 Uhr bleibt, und in Niederösterreich heißt es 21 Uhr", so der Spartenobmann.

Das neue Gesetz zur Ladenöffnung, das per 1. August Realität ist, ändert nichts an schon bisher existierenden Tourismusregelungen in den Bundesländern, die in bestimmten Regionen oder Gemeinden offene Geschäfte auch an Sonn- und Feiertagen erlauben. Neu ist im Gesetz allerdings, dass handelsähnliche Dienstleistungen wie Friseure, Banken oder Reisebüros künftig auch Samstagnachmittag offen halten können. Wie berichtet, wird es eine volle Liberalisierung (Montag bis Freitag 5 bis 21 Uhr, Samstag zwischen 5 und 18 Uhr) nur in Niederösterreich auf Bestreben von Landeshauptmann Erwin Pröll geben. Alle anderen Landeschefs haben angekündigt, von ihrem im Gesetz vorgesehen Recht Gebrauch zu machen und per Verordnung engere Rahmenzeiten festsetzen werden.

Burgenlands und Wiens Landeschefs Hans Niessl und Michael Häupl haben sich darauf verständigt, bis Jahresende einen längeren Einkaufsabend pro Woche, den sich die Geschäftsleute aussuchen können, zu erlauben. Handelsexperte Voithofer befürchtet durch die Regelung in Wien und dem Burgenland eine Verunsicherung der Kunden. "Wenn die Geschäfte unterschiedlich offen haben, ist niemandem gedient", so Voithofer.

Einen Kaufkraftabfluss in den Osten erwartet er nicht. Derzeit sei sogar eher ein Kundenstrom in Richtung Österreich zu verzeichnen. Eine aktuelle Studie habe ergeben, dass mehr Geld von Westungarn ins Burgenland fließe als umgekehrt.