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London - Seit mehr als 50 Jahren saß er für die konservative Partei ununterbrochen im britischen Unterhaus. Von 1970 bis 1974 war er Premierminister und führte sein Land 1971 in die europäische Gemeinschaft. Seine Auseinandersetzungen mit seiner Nachfolgerin Maggie Thatcher sind legendär. Nun kündigte Sir Edward Heath, der am 9. Juli 84 geworden ist, an, dass er bei den kommenden britischen Parlamentswahlen im Frühjahr 2001 nicht mehr antrete werde.
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"Ich bin sehr stolz, mehr als 50 Jahre lang immer wieder gewählt worden zu sein", erklärte Heath. der dienstälteste britische Parlamentarier in seinem Wahlkreis Old Bexley und Sidcup südlich von London.
Der am 9. Juli 1916 in Broadstairs/Kent als Sohn eines Bauunternehmers geborene Edward Richard George Heath studierte in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften und betätigte sich nebenbei als Organist. 1940 wurde er zum Militär eingezogen, kämpfte in Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland und wurde mehrfach ausgezeichnet. Unmittelbar nach Kriegsende begann er seine berufliche Laufbahn im Ministerium für Zivilluftfahrt und wechselte dann in eine leitende Stellung in einer Londoner Bank.
1950 wurde er bei den Unterhauswahlen erstmals für den Wahlkreis Bexley in das Parlament gewählt und seither bei jeder Wahl bestätigt. Sein erstes Ministeramt bekam Edward Heath im 2. Kabinett Macmillan am 14. Oktober 1959 als Arbeitsminister. Knapp ein Jahr darauf wurde er Lordsiegelbewahrer mit der doppelten Funktion, den Außenminister im Unterhaus zu vertreten und sich der europäischen Fragen anzunehmen. Als Großbritannien 1961 die Aufnahme in die damalige EG beantragte, war Heath Verhandlungsleiter. Obwohl Londons EG-Ambitionen 1963 an De Gaulles Veto scheiterten, wurde Heath im gleichen Jahr für seine europäischen Bemühungen mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet.
1963 wurde Heath unter Premier Douglas-Home Handelsminister. Nach der Wahlschlappe seiner konservativen Partei 1964 wurde Heath 1965 an die Spitze der Partei gewählt. Es gelang Heath 1966 nicht, die Labour-Party aus der Regierung zu verdrängen.
Erst im Juni 1970 führte er seine Partei zum Wahlsieg und wurde Premier. Ein Jahr später konnte der Europäer Heath den Beitritt seines Landes zur EG unterzeichnen. Seine pro-europäische Haltung brachte ihn vor allem nach der Wahlniederlage der Konservativen von 1974 immer wieder in Konflikt mit seinen Nachfolgern Margaret Thatcher und dem jetzigen Oppositionschef William Hague.
Heath konnte es nie verwinden, dass er 1975 von Thatcher in einer Art Palastrevolte als Parteiführer der Konservativen abgesetzt worden war. Er verfolgte Thatchers politischen Weg distanziert bis kritisch und profilierte sich als überparteilicher Mahner. Mitunter waren seine Auseinandersetzungen mit seiner Nachfolgerin so heftig, dass man von einem privaten Krieg Heath-Thatcher sprach. Im Streit um den britischen EG-Kurs forderten manche Parteigenossen 1989 sogar den Parteiausschluss von Edward Heath. Erst in den letzten zwei Jahren sprachen die beiden wieder miteinander. 1990 machte Heath noch einmal Schlagzeilen, als er nach Bagdad reiste, um dort bei Saddam Hussein um die Freilassung westlicher Geiseln zu bitten.
Nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik wird sich der 84-jährige nun verstärkt seinen Hobbys widmen können: Segeln, Klavierspiel und Dirigieren.
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