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Situationselastisch

Von Walter Hämmerle

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Gerald Klug wird gerade zum neuen Shootingstar der Innenpolitik ausgerufen. Das musste früher oder später so kommen.


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Warum welcher Politiker in Österreich gerade von den Medien zum neuen innenpolitischen Shootingstar ausgerufen wird, entzieht sich in aller Regel einer rationalen Erklärung. Wahrscheinlich hat es ohnehin mehr mit den Gesetzmäßigkeiten des massenmedialen Geschäfts als mit dem politischen Metier im engeren Sinn zu tun.

Wie dem auch sei. Derzeit ist jedenfalls Verteidigungsminister Gerhard Klug an der Reihe. Zuvor traf dieses Los schon Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (nachdem dieser noch bei seiner Ernennung als Sinnbild für eine Fehlbesetzung gebrandet wurde), aber auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hatten schon die Ehre. Früher einmal war auch Gabi Burgstaller ein gern gesehener Gast in dieser Rubrik, als sie noch für alle möglichen höheren Weihen in dieser Republik gehandelt wurde; aber das war, als Salzburgs Noch-Landeshauptfrau in der Politik noch eine Zukunft hatte. Aber das nur nebenbei.

Gerald Klug, der smarte Metallergewerkschafter aus der Steirermark, profitiert, so die landläufige Erklärungsvariante zu seinem Aufstieg, vor allem von seinem größten Bonus im Verteidigungsministerium: dass er nicht Norbert Darabos ist. Ob die knapp bemessene Zeit zwischen seiner Angelobung im vergangenen März und den Wahlen im September für wirkliche Politik ausreicht, wird sich zeigen.

Dass Klug - zumindest, wenn es nach ihm geht - gekommen ist, um zu bleiben, daran lässt er nur ungern einen Zweifel. Vielleicht gilt deshalb die Maxime: Nur keine Fehler begehen; nichts versprechen, was man vielleicht nicht halten kann; und schon gar nicht, Standpunkte einnehmen, die man später dann vielleicht doch räumen muss.

Ein solches Verhalten ist natürlich eine Zier für jeden Berufspolitiker und widerspricht so wunderbar der verbreiteten Auffassung, dass Politiker gefälligst Klartext zu reden hätten. Klug selbst charakterisierte sein Verhalten einmal selbst übrigens als "situationselastisch". Wunderbare Formulierung, das muss man neidlos anerkennen. Völlig zu Recht kam "situationselastisch" auch auf die Liste der Wörter 2011. Da merkt man natürlich sofort die alte Sozialpartner-Schule, die der Steirer auf Gewerkschafterseite in Form der Ochsentour durchlaufen hat.

Das Prinzip "Ball flach halten" scheint sich als Trend durchzusetzen. Zumindest für alle diejenigen, die mittelfristig in der Branche bleiben wollen.

Das bleibt nicht ohne Folgen. Der schöne Satz Robert Hochners, wonach "das Archiv die Rache der Journalisten an den Politikern" sei, beginnt sich nämlich, wenn sich dieser neue Politikertypus durchsetzt, als Diktum gegen seine Erfinder zu wenden: Wer nichts mehr verspricht, ankündigt, feststellt oder fordert, dem kann im Nachhinein auch kein Strick daraus gedreht werden. In den Archiven stapelt sich dann nur noch dicht bedruckte Inhaltsleere. Schließlich werden ja sogar Wahlkampfversprechen mit unzähligen Wenn und Aber versehen. Ganz schön schlau, diese neuen Politiker.