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Smilies haben wieder Hochbetrieb

Von Peter Muzik

Wirtschaft
Zwei der wachstumsstärksten Unternehmen Österreichs im Vorjahr sind in den Zügeln von Christian Fürstaller (Augustin Quehenberger, li.) und Oskar Kreuzmayr (Kreuzmayr Gruppe, re.) Fotos: Augustin Quehenberger, Kreuzmayr

Konjunktur und Preissprünge sorgen vielfach für Umsatz-Rekorde. | Shooting-Stars mit bis zu 166 Prozent Zuwachs. | Unbekannte Firmen sind besser als OMV, Voest & Co.


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Ein ehemaliger Verteidiger von SV Casino Salzburg hat derzeit einen Umsatz-Rekord zu verteidigen: Christian Fürstaller, CEO der Augustin Quehenberger Group, hat im Vorjahr den Umsatz um gigantische 166 Prozent steigern können - mehr als jedes andere österreichische Großunternehmen. Ein großartiges Kunststück war’s freilich kaum, denn die beiden Logistikfirmen haben kurz zuvor fusioniert.

Fürstaller, der seine Karriere 1984 als Hilfsbuchhalter begonnen hatte und es 2001 zum Vorstandsvorsitzenden brachte, hält 45 Prozent der Konzern-Anteile. Die Gruppe, die aus der ehemaligen LKW Augustin und der einstigen Firma von Rudi Quehenberger besteht, konnte sich im "trend"-/"News"-Ranking der 500 größten Unternehmen Österreichs auf Position 198 platzieren.

Sie ist an 77 Standorten in 16 Ländern tätig, beschäftigt über 2000 Mitarbeiter und setzte zuletzt 372 Millionen Euro um. Für das laufende Jahr sind neun Prozent Umsatz-Steigerung geplant. Der 47-jährige Fürstaller, der heuer den Turnaround schaffen und "eine schwarze Null" schreiben will, hat auch langfristig ehrgeizige Ziele: "Wir wollen 2015 das beste mittelständische Logistikunternehmen in Zentral- und Osteuropa sein."

Müller-Guttenbrunn: Müll zu Geld gemacht

Umsatzmäßig mit 294 Millionen zwar deutlich kleiner als der Umsatz-Rekordler, schaffte die Müller-Guttenbrunn GmbH in Amstetten zuletzt ebenfalls ein dreistelliges Umsatz-Plus - nämlich 162 Prozent. Wichtigste Gründe: höhere Rohstoffpreise und eine Akquisition in Rumänien.

Im Jahr 2009 hatte Geschäftsführer Christian Müller-Guttenbrunn noch ein Minus von 25 Prozent hinnehmen müssen. Doch jetzt läuft das Geschäft wieder wie am Schnürchen: Die 1954 gegründete, in Familienbesitz befindliche Recyclingfirma verwertet jährlich etwa 850.000 Tonnen Abfall und ist mit 900 Mitarbeitern in acht Ländern vertreten. Sie gewinnt etwa aus Sperrmüll 140.000 Tonnen Eisenschrott, die an Stahlwerke verkauft werden. Obendrein bereiten ihre Großshredder und Schrottmühlen Autowracks, Industrieabfälle, Elektrogeräte sowie Haushaltsmüll auf.

Schließlich steht in Kematen an der Ybbs eine Kunststoff-Recyclinganlage mit einer Jahreskapazität von 40.000 Tonnen parat, die vor sieben Jahren vom austro-amerikanischen Joint Venture MBA Polymers Austria errichtet wurde.

Die exzellente Performance der beiden Spitzenreiter signalisiert eine deutliche Trendumkehr: Hatten im Katastrophenjahr 2009 noch zwei Drittel der damaligen Top 500 ein - teilweise spektakuläres - Umsatz-minus verzeichnet, so schafften vier von fünf der umsatzstärksten Betriebe im Vorjahr wieder ein - bisweilen erstaunliches - Wachstum.

Rund 25 Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen konnten knapp unter beziehungsweise sogar deutlich mehr als 50 Prozent zulegen (siehe Tabelle).

Der stille Superstar ausdem Ländle

Sie warteten damit allesamt mit noch beeindruckenderen Zahlen auf als rot-weiß-rote Industrie-Giganten wie OMV und Voestalpine, die sich umsatzmäßig immerhin um rund 30 Prozent verbessert haben.

Dabei fällt auf, dass es sich bloß in Einzelfällen um relativ bekannte Firmen wie Ögussa, Ludwig Engel, Treibacher oder Infineon handelt, aber in der Mehrzahl der Fälle um Unternehmen, die nur den wenigsten Zeitungslesern bekannt sind, weil sie in der Öffentlichkeit nicht viel Aufsehen erwecken wollen.

Das Paradebeispiel schlechthin ist der knapp 60-jährige Vorarlberger Günter Steinacher. Seine vor 30 Jahren gegründete Firma Alumet ist mit neun Milliarden Euro Umsatz bereits der achtgrößte Konzern Österreichs. Nach dem für seine Begriffe matten Umsatzplus von 6,8 Prozent im Jahr 2009 legte er zuletzt gleich um 59 Prozent zu.

Steinacher, der zunächst jahrelang für eine norwegische Gruppe tätig war, ehe er sich in Bludenz selbständig machte, handelt jährlich mit 680.000 Tonnen Aluminium, was 28.000 Lkw-Ladungen entspricht. Er bindet seine europaweiten Kunden mit langfristigen Lieferverträgen an sich und profitiert obendrein von stark steigenden Rohstoffpreisen: "Unser Geschäft ist ziemlich unabhängig von der Konjunktur."

Die Firma, die ihm, seiner Frau Angelika und Sohn Christian gehört, verfügt über zwei eigene Aluminiumschmelzwerke in Kempten/Allgäu und Nachrodt bei Dortmund sowie über das vom Land geförderte Speedline Aluwerk in Schlins.

Beinahe klammheimlich hat sie sich zu Europas größtem privaten Hersteller von Aluminium-Pressbolzen gemausert. In der Alumet-Zentrale sind lediglich zwölf Mitarbeiter beschäftigt.

Pink-Diskonttankstellen wollen Netz erweitern

Ein absoluter Shooting-Star ist - wenn auch in einer niedrigeren Gewichtsklasse - der Mineralölhändler Kreuzmayr in Eferding. Oskar Kreuzmayr, Chef des zuvor eher unscheinbaren Familienunternehmens, hatte 2009 in Bayern drei Firmen übernommen und sich dank einer Umsatzverdoppelung gleich auf Rang 142 unter den Top 500 hoch katapultiert.

Im Vorjahr legte er absatz- als auch preisbedingt nochmals 54 Prozent zu und landete mit 940 Millionen Umsatz, direkt hinter dem ORF, auf Platz 80. Der mehr als 70 Jahre alte Traditionsbetrieb betreut in Oberösterreich 40.000 und in Bayern mittlerweile schon 80.000 Kunden. Das derzeitige Netz von sechs Pink-Diskonttankstellen in Oberösterreich soll laufend erweitert werden.

Während sich Kreuzmayr zum zweiten Mal in Serie verbessert hat, mussten andere Unternehmen erst einmal einen herben Rückschlag aufholen: Die Ludwig Engel KG in Schwertberg, weltweit größter Hersteller von Spritzgießmaschinen, durfte sich 2010 zwar in Folge der Konjunkturerholung über 78 Prozent Plus freuen, doch im Jahr davor hatte das Minus stolze 40 Prozent ausgemacht.

Ein ähnliches Bild bietet sich bei Loacker Recycling, dem Lederhersteller Boxmark oder der Treibacher Schleifmittel GmbH: Ihre bitteren Schlappen im Horrorjahr 2009 wurden indes mit 79, 58 beziehungsweise 47 Prozent Zuwachs ausradiert. Nicht ganz so schlimme Schrammen hatten damals etwa die Kärntner Infineon Technologies (minus 25 Prozent), Hirschmann Automotive (minus 15 Prozent) oder Fronius International (minus 11 Prozent) abbekommen, doch mit einem Plus von an die 50 Prozent konnten sie die Enttäuschung mehr als kompensieren.

Für heuer sind nicht nur Unternehmen, die so wie etwa Alumet, Kreuzmayr, aber auch die Ögussa oder Flextronics International Jahr für Jahr verlässlich zulegen, voller Optimismus. In den meisten Chefetagen der heimischen Großbetriebe erwarten die Smilies wieder neue Rekorde - zumindest was den Umsatz anlangt.