Zum Hauptinhalt springen

"So viel zum Sport, Petra . . ."

Von Hermann Schlösser

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Manche Veränderungen in der Medienwelt ereignen sich im grellen Licht der Öffentlichkeit, andere bereiten sich im Verborgenen vor. Es dauert eine Weile, bis man sie überhaupt bemerkt, dann glaubt man an einen Zufall, schließlich zeichnet sich ein Trend ab, der sich zunehmend verdichtet.

Eine solche Veränderung auf leisen Sohlen lässt sich derzeit in den Nachrichtenprogrammen der deutschsprachigen Sender beobachten: Im Gespräch zwischen dem Moderator und den zugeschalteten Korrespondenten galt früher die strikte Regel, dass Journalisten einander siezen - mochten sie privat auch die besten Freunde sein. Seit einiger Zeit fällt auf, dass diese Übereinkunft durchbrochen wird. Sätze wie "So viel zum Sport, Petra . . ." hört man zwar noch längst nicht überall, aber doch immer öfter.

Der ORF ist noch zurückhaltender als die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, doch ist auch in der "ZiB 2" und vor allem der "ZiB 3" das informelle Du-Wort schon zu hören. Man wird sehen, ob sich diese neue Form allgemein durchsetzt oder nicht.

Sicher ist, dass die Anredeform "Du mit Vornamen" dem Englischen nachempfunden ist. Da man dort bekanntlich nicht zwischen Du und Sie unterscheidet, gehen die Menschen generell leichter zum Vornamen über. Diese Gepflogenheit wird also im deutschsprachigen Fernsehen imitiert - was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass Moderatoren und Moderatorinnen mittlerweile auch auf Deutsch "anchormen" und "anchorwomen" genannt werden.