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Solar-Pleite trifft Raiffeisen Burgenland hart

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Insolvente Blue Chip Energy hat rund 20,13 Millionen Euro Bankschulden.


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Güssing. Die 78-Millionen-Euro-Pleite des Solarzellen-Herstellers Blue Chip Energy GmbH (110 Mitarbeiter) wird für die Raiffeisenlandesbank (RLB) Burgenland schwer zu verdauen sein. Der insolvente Betrieb hat nicht nur 53,98 Millionen Euro Schulden bei Gesellschaftern und verbundenen Unternehmen, sondern laut Creditreform auch 20,13 Millionen Euro Schulden bei Banken. Die Hausbank ist die RLB Burgenland, die am Mittwoch die Konten von Blue Chip gesperrt hat. Zwar ist sie pfandrechtlich besichert, aber ob damit das gesamte Obligo abgedeckt ist, bleibt fraglich.

"Der Knackpunkt ist, wie viel die technischen Anlagen und die Liegenschaft in Güssing tatsächlich wert sind", sagt Wolfgang Hrobar vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV). "Im Falle einer Verwertung sind technische Anlagen immer ein Problem." Die Betriebsliegenschaft der Blue Chip ist mit einem Buchwert von 9,54 Millionen Euro ausgewiesen, das Pfandrecht der RLB Burgenland beträgt 7 Millionen Euro. Zugleich stehen die technischen Anlagen im Sicherheitseigentum der RLB. Sie haben einen Buchwert von 32,42 Millionen Euro. Auch Förderinstitutionen hatten bei Blue Chip kein glückliches Händchen. In der Bilanz werden 10,44 Millionen Euro Investitionszuschüsse ausgewiesen.

Schlechte Bilanz

"Was mich erschreckt hat, ist der Verlustvortrag von 29,76 Millionen Euro in der Gewinn- und Verlustrechnung 2011", sagt Hrobar. Dabei wäre der Betrieb in den beiden Vorjahren schon überschuldet gewesen, hätten die Gesellschafter sämtliche Darlehen nicht nachrangig gestellt. 2010 waren das 47,54 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote betrug laut Creditreform minus 25,7 Prozent.

Die Gesellschafter müssen 20,22 Millionen Euro abschreiben, die verbundenen Unternehmen könnten um 33,76 Millionen Euro umfallen. "Sollten die tatsächlich Forderungen anmelden, werden sie sicher bestritten", sagt Hrobar.

Blue Chip Energy gehört zu 81 Prozent - unter Zwischenschaltung der Wiener Neustädter WFE Energy Development - der deutschen i-sol ventures um Solarpionier Alexander Voigt. Voigt ist Gründer, Aktionär und Aufsichtsrat des börsenotierten, angeschlagenen Solar-Konzerns Solon SE, der 18 Prozent an der stillgelegten Güssinger Fabrik hält.