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Die Frage, wie verschuldet ein Staat ist, wird für dessen Politik in den kommenden Jahren eine viel wichtigere Rolle spielen, als wir bisher gewohnt waren; man braucht keine Kristallkugel, um das zu prognostizieren. In der posthellenistischen Finanz-Ära wird der Pegelstand der Schulden-Milliarden viel mehr als vor dem Ouzo-Crash darüber entscheiden, welche Sozial-, Bildungs- oder Infrastrukturpolitik sich ein Land leisten kann. Und vor allem, welche nicht. Der Schuldenstand wird damit zu einem wesentlichen Erfolgskriterium politischen Handelns, ähnlich etwa wie jetzt die Arbeitslosenrate oder das Wirtschaftswachstum.
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Es ist in diesem Zusammenhang allerdings ebenso erstaunlich wie unklug, dass Schulden regelmäßig weder von der öffentlichen Meinung noch von den Kreditgebern der Staaten (oder von Ratingagenturen) auf deren Charakter und Qualität hin betrachtet werden. Denn Schulden sind nur bis zu einem gewissen Grad gleich Schulden.
Wer etwa als Privater einen Kredit aufnimmt, um damit ein Unternehmen zu kaufen, wird dadurch vorerst weder reicher noch ärmer, da dem Kredit ja entsprechender Besitz gegenübersteht. Wer hingegen Schulden aufnimmt, um damit seinen Drogenkonsum zu finanzieren, wird tatsächlich ärmer. Deswegen bilanziert ja ein Unternehmen nicht nur Einnahmen und Ausgaben, sondern auch Besitz und Verbindlichkeiten. Denn nur diese Betrachtung erlaubt ein Urteil darüber, wie gut gewirtschaftet wurde.
Der Staat hingegen führt zwar im Budget regelmäßig Einnahmen und Ausgaben auf; nach einer Auflistung der direkten und indirekten Vermögenswerte sucht man hingegen vergeblich. Ob ein Staat sich hoch verschuldet, aber damit (wertvolle) Substanz geschaffen hat oder aber einfach seine Wähler durch Geldgeschenke bei Laune gehalten hat, ist aus den üblichen Messgrößen wie "Staatsverschuldung in Relation zu Wirtschaftsleistung" nicht so ohne weiteres abzulesen - was ein ziemliches Manko darstellt.
Viel befriedigender (und effizienter) wäre es, würden etwa die Staaten der Eurozone bilanzieren wie Firmen, also neben den Einnahmen und Ausgaben auch die Zu- oder Abnahme von Besitz und Verbindlichkeiten veröffentlichen.
Ein derartiges Verfahren hätte mehrere Vorteile: Wähler wie Geldgeber könnten die Qualität staatlicher Budgetpolitik besser beurteilen; sowohl solide als auch unsolide Haushaltspolitik würden so früher und besser sichtbar als jetzt. Das nützte tendenziell Politikern, die mit dem ihnen anvertrauten Steuergeld verantwortlich umgehen, weil es ihnen die Kreditaufnahme eher erleichterte und eher verbilligte. Umgekehrt wären die Probleme Griechenlands vermutlich schon früher sichtbar geworden.
Was derzeit in Europa fehlt, ist Vertrauen: in die politischen Institutionen, in die handelnden Personen, gar in das Geld. Die wirtschaftliche Situation der Staaten auf diese Weise wesentlich transparenter und nachvollziehbarer zu machen, könnte ein kleiner Beitrag zur Rückgewinnung von Vertrauen sein.

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