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Sonne füllt Vitamin-D-Speicher auf

Von Alexandra Grass

Wissen
Der Körper braucht die Sonne, um Erkrankungen vorbeugen zu können.
© © detailblick - Fotolia

Experte rät zu mehr Aufenthalt in der Natur - vor allem im Herbst und Winter.


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Wien. Sonne ist für den Menschen und sein Wohlbefinden unverzichtbar. Sie erhellt nicht nur das Gemüt, sondern trägt auch wesentlich zum Erhalt der Gesundheit bei. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei das Vitamin D ein, das zum überwiegenden Anteil durch ein kleines Spektrum der UVB-Strahlung unter der Haut gebildet wird. Ein Mangel ist Hauptauslöser von Erkrankungen vor allem des Stützapparates, wie Osteoporose. Zusätzlich scheint er aber auch beispielsweise Infektionskrankheiten zu begünstigen, wie Gregor Holak, Facharzt für Innere Medizin im Wiener Wilhelminenspital im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erläutert.

Streng genommen ist Vitamin D gar kein Vitamin, sondern ein im Körper gebildetes Hormon, das eben durch Sonneneinwirkung auf die Haut gebildet wird oder durch Nahrung zugeführt werden kann. Höchstens 20 Prozent des Bedarfs können durch wenige Nahrungsmittel wie fetten Fisch oder Eier aufgenommen werden.

Siegeszug in jüngster Zeit

Was fehlende Sonne für einen Einfluss auf die Knochen hat, wurde schon im 17. Jahrhundert entdeckt. Damals war es zu den ersten Beschreibungen von Rachitis gekommen. Bei dieser Erkrankung werden die Knochen weich und können sich verformen.

Der Zusammenhang mit Vitamin-D-Mangel gelang allerdings erst um 1920, so Holak. In den vergangenen zehn Jahren hat das Sonnenhormon schließlich einen Siegeszug durch Forschung und Medizin angetreten und wird heutzutage auch als potenzieller "Partner" für viele Erkrankungen gehandelt, nämlich, wenn es fehlt.

Ob Krebs, Tuberkulose, HIV, Multiple Sklerose, jugendlicher Diabetes oder Herzschwäche: Klar ist mittlerweile, dass es bei sehr vielen Krankheiten Zusammenhänge mit Vitamin D gibt, die Studienlage allerdings großteils ungenügend ist. Lediglich bei der Osteoporose ist es gesichert nachgewiesen, betont der Mediziner.

Vitamin D sorgt dafür, dass der Körper über den Darm ausreichend Kalzium resorbieren kann. Kann die Mineralisierung durch Kalzium nicht effektiv voranschreiten, werden die Knochen im jugendlichen Alter weich, bei Osteoporose-Patienten hingegen brüchig, was bei Stürzen verheerende Ausmaße annehmen kann.

15 bis 20 Minuten Sonne

Ein Vitamin-D-Mangel zieht sich global über alle Bevölkerungsschichten, denn die Menschen gehen heutzutage oftmals zu wenig ins Freie. Dabei würden 15 bis 20 Minuten Sonneneinstrahlung pro Tag oft reichen, um den Hormonspeicher aufzufüllen, erklärt Holak. Eines ist auch klar: Je weniger Kleidungsstücke man trägt, desto mehr kann die Haut an UVB-Strahlung aufnehmen.

Vor allem in den sonnenarmen Herbst- und Wintermonaten kann man sich zusätzlich mit Vitamin-D-Gaben helfen, eine allgemeine ärztliche Empfehlung dafür gebe es aber nicht, betont der Mediziner. Wenn der Blutbefund einen deutlichen Mangel erkennen lässt, sei es auf jeden Fall angeraten, entsprechende Nahrungsergänzungen einzunehmen.

Für den durchschnittlichen Menschen ist ein Vitamin-D-Spiegel in der Höhe von etwa 20 Nanogramm pro Milliliter Blut empfohlen. Bei Osteoporosepatienten sollte dieser schon bei 30 bis 50 ng/ml liegen. Die Obergrenze liegt bei etwa 70 ng/ml. Wird diese Grenze überschritten, kann es durch eine überhöhte Kalziumkonzentration im Blut zu Verkalkungen an den Gefäßen kommen.

Solarium als Ersatz

"Die Sonne ist keine tödliche Naturgewalt, sondern eine lebenswichtige Ressource für den Menschen, mit der er jedoch korrekt umgehen muss", erklärte auch Jörg Spitz, Nuklear-, Ernährungs- und Präventionsmediziner, am Donnerstag im Rahmen eines Pressegesprächs. Weniger Aufenthalt im Freien, Schminkprodukte mit Sonnenschutzfaktor oder ein Leben mit Feinstaub, Stickoxid oder Ozon seien die wichtigsten Ursachen für den UVB-Mangel, so der Wissenschafter. Und: Als Ersatz könne auch das Solarium dienen. Denn in vielen europäischen Ländern sei die Strahlungsintensität der Sonne im Winter nicht ausreichend, um genug Vitamin D in der Haut zu produzieren.

Dank modernster Sonnengeräte sei es heute möglich, das Strahlenspektrum der natürlichen Sonne bestmöglich zu ersetzen. Neben UVA enthalten Solarien seit vielen Jahren einen entsprechenden UVB-Strahlungsanteil und aktivieren damit den körpereigenen Lichtschutz der Haut, erklärte Harald Slauschek, Berufsgruppensprecher der Solarien der Wirtschaftskammer Österreich. Von Vorteil ist es bestimmt, den Vitamin-D-Speichervorrat im Körper bestimmen zu lassen und dann in Rücksprache mit dem Hausarzt Schritte zu setzen.

Vortrag von Gregor Holak, Facharzt für Innere Medizin "Vitamin-D-Versorgung", 9. Oktober, Therme Wien (www.help4youcompany.at)