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Sorger sorgt sich um den Standort Österreich

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Der neue Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, will den produzierenden Sektor in Österreich stärken, ohne eine "Lohnspirale nach unten" aufzumachen. Hingegen sei eine Verlängerung der Arbeitszeiten eine von vielen Möglichkeiten, um im Wettbewerb mit Niedriglohnländern bestehen zu können, sagte Sorger gestern in seiner Antrittspressekonferenz in der Industriellenvereinigung.


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In Deutschland, wo das Thema "mehr arbeiten bei gleichem Lohn" schon länger diskutiert wird, sind bereits erste Schritte in diese Richtung gesetzt worden. Konkrete Vorstellungen für Österreich hat der neue IV-Präsident, der im "Haus der Instrie" am Wiener Schwarzenbergplatz die Nachfolge von Miba-Chef Peter Mitterbauer antritt, noch keine. "Damit haben sich die Sozialpartner zu beschäftigen."

Generelle Lohnkürzungen lehnt Sorger strikt ab. Dies würde das soziale Gefüge gefährden.

Sorger will sich in seiner neuen Funktion zudem für den weiteren Ausbau der Infrastruktur einsetzen und die Bildung von Eliten an den Universitäten unterstützen.

Nur eine Gegenstimme

Der aus 75 Wahlmännern zusammengetretene Bundesvorstand der IV hat Sorger, Vorstandschef des Papier- und Verpackungskonzerns Frantschach, gestern mit nur einer Gegenstimme zum 8. Präsidenten seit 1945 installiert. Vizepräsidenten für die nächsten vier Jahre werden wie erwartet der oberösterreichische Landmaschinenproduzent Klaus Pöttinger und der niederösterreichische Metallindustrielle Wolfgang Welserer, der als neuer Obmann der Industriesparte der Wirtschaftskammer (WKÖ) das Bindeglied zur zweiten großen Unternehmervereinigung des Landes wird. Mit der Wahl des Generalsekretärs bzw. der Generalsekretärin lässt sich Sorger noch Zeit. Bis zur Entscheidung amtiert der bisherige IV-Generalsekretär Lorenz Fritz weiter. Stv. Generalsekretär ist Peter Koren.

Die IV hat ein Budget von rund 20 Mill. Euro. Davon entfallen 6 Mill. auf die Landesgruppen und 14 Mill. Euro auf das Bundesbudget. Auf die Homepage-Affäre rund um Finanzminister Karl-Heinz Grasser wollte Sorger nicht eingehen. Die IV gibt nach eigenen Angaben etwa 2,5% ihres Bundesbudgets für Parteienfinanzierung aus.

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Geschichte

Die erste überregionale industrielle Interessenvertretung Österreichs entstand 1862 mit dem "Verein der Industriellen". Die meisten der beinahe 600 regionalen, lokalen und branchenmäßigen Industrieorganisationen schlossen sich 1892 im "Centralverband der Industriellen Österreichs" und 1897 im "Bund der österreichischen Industriellen" zusammen. Bereits diese Vorläuferorganisationen der heutigen Industriellenvereinigung basierten auf freiwilliger Mitgliedschaft. 1911 wurde auf dem Wiener Schwarzenbergplatz das "Haus der Industrie" als Sitz aller drei Zentralverbände errichtet. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie vereinigten sich die drei Vereine zum Reichsverband der österreichischen Industrie, aus dem kurze Zeit später der Hauptverband der Industrie Österreichs wurde. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde das Haus der Industrie Sitz des Alliierten Rates, der der 1946 gegründeten Vereinigung österreichischer Industrieller eine bescheidene Miete zahlte. Am 23. Mai 1996 erfolgte die Namensänderung in "Vereinigung der Österreichischen Industrie".

http://www.iv-net.at