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Spaniens Konservative mit Bart zum Erfolg

Von Konstanze Walther

Politik

Ein neu positionierter Pablo Casado wird sich am Sonntag über deutliche Zugewinne freuen dürfen.


Eine Partei wird am Sonntag bei den spanischen Wahlen deutlich Boden gutmachen. Die Rede ist von der konservativen Volkspartei, dem Partido Popular. Umfragen zufolge wird sie ihre Sitze im Parlament wieder um ein Drittel aufstocken können - nach der für sie historischen Wahlschlappe im April dieses Jahres.

Ein halbes Jahr später bekommt der PP eine neue Chance: Neuwahlen waren notwendig geworden, nachdem der haushohe Wahlgewinner des Aprils, die spanischen Sozialisten PSOE, mit der Regierungsbildung gescheitert waren.

Die Sozialisten wollten eine von einer Parlamentsmehrheit gestützte Minderheitsregierung. Und sogar die linke der katalanischen separatistischen Parteien, die ERC, wäre bereit gewesen, das mitzutragen. Aber sie allein war zu klein im nationalen Parlament. Alle anderen Parteien winkten ab. Die Linkspopulisten von Unidas Podemos wollten wenn, dann mit in die Regierung. Und die drei Parteien im konservativen Spektrum waren in einem Wettkampf verstrickt, wer sich am schärfsten in Sachen Katalonien profilieren kann. Für alle drei - PP, Ciudadanos und Vox - war außerdem klar: Die Sozialisten werde man sicher nicht unterstützen.

Der damalige Neo-Parteivorsitzende des PP, Pablo Casado, hatte insbesondere Schaum vor den Mund, wenn er auf den Chef der Sozialisten, Pedro Sánchez, angesprochen wurde. Sánchez sei "der größte Verräter", der "größte Schwerverbrecher in der Geschichte der Demokratie Spaniens", "ein Unfähiger ohne Verantwortungsgefühl", "ein notorischer Lügner", der Spanien zerstören würde.

Ein halbes Jahr später klingt das anders. Natürlich könnte man sich einen Pakt mit den Sozialisten vorstellen, tönt es von Casado. Eine Koalition wäre gut, um Spanien aus diesem Stillstand zu befreien. Natürlich müsste dann der PP einen Sitz mehr als die Sozialisten erlangen, damit der PP so konstruktiv den anderen einladen könne.

Ein frommer Wunsch, der sich laut Umfragen nicht bewahrheiten wird: Die Verluste der Sozialisten werden sich im Rahmen halten, und sie werden auf Platz eins bleiben.

Oder? Sanft weist Casado darauf hin, dass der Sozialist Sánchez das Recht auf Selbstbestimmung Kataloniens nie ganz zurückgewiesen hatte und Spanien als plurinationalen Staat bezeichnet hatte. Würde das denn jemand tun, der an die spanische Nation glaubt? Es ist eine feine Klinge der rhetorischen Frage, die Casado nun führt.

Casado hat sich geändert, innerlich sowie äußerlich. Mit seinem Geburtsjahr 1981 ist er der jüngste Parteichef in Spanien, bei den Wahlen im April war er noch einer breiten Mehrheit unbekannt. Und er stand mit dem Rücken zur Wand. Denn nicht nur präsentierten sich die konservativ-liberalen Ciudadanos als die besseren Konservativen und gruben empfindlich dem PP jene Wähler ab, die sich von der Verstaubtheit und den Korruptionsskandalen der damaligen PP-Riege nicht mehr angezogen fühlten. Die gerade erst entstehenden Rechtspopulisten von Vox wiederum nahmen dem PP jene Wähler ab, die in Migration das größte Problem Europas sehen. Casado versuchte im April, auf allen Ebenen zu kämpfen und anzugreifen.

Heute ist das anders. Denn die Umfragen haben gezeigt: Die Wähler haben in Spanien keine Lust mehr auf die ewigen Neuwahlen. Die Ciudadanos etwa werden empfindlich gegenüber dem April-Resultat verlieren. Die Wähler goutieren die Blockade-Haltung und die Verbissenheit des jugendlich wirkenden Ciudadanos-Vorsitzenden, Albert Rivera, nicht.

Einen und zusammenhalten

Hier witterte der PP seine Chance. Kaum zeichneten sich Neuwahlen ab, schon hatte Casado sich einen Bart wachsen lassen, der ihm ein deutlich reiferes Aussehen verleiht. Nein, nein, er hatte nur den Rasierapparat in den Ferien vergessen, das war eigentlich kein Plan, erklärt Casado offiziell. Er reiht sich damit allerdings in die Riege jener PP-Vorsitzenden ein, die es auch zum Ministerpräsidenten geschafft haben. Sein Vorgänger Mariano Rajoy hatte den weißen Vollbart. Dessen Vorgänger, José Maria Aznar, den charakteristischen Schnauzer.

Auch der Gegner des PP ist heute klarer als im April: Es sind nicht alle, sondern nur die Sozialisten. Denn mit ihnen streitet man sich um die Vorherrschaft im Land. Und so stellt sich Casado zwar als jemand da, der verbindet. Aber vor allem, um die Einheit Spaniens zu wahren.

Angesichts der Katalonien-Krise präsentiert sich der PP nun als einziger Bewahrer der Einheit von Spanien. Für den Platz eins wird es am Sonntag trotzdem nicht reichen. Aber als Anführer einer konservativen Koalition womöglich schon.