)
Dem Strahlemann vergeht das Lachen. | Spaniens Konservative überholen die Sozialisten. | Madrid. (dpa) Niemand schien ihm etwas anhaben zu können. Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero nahm es mit den mächtigsten Widersachern auf. Ohne mit der Wimper zu zucken, ordnete er 2004 den Rückzug der spanischen Truppen aus dem Irak an, obwohl er sich Ärger mit US-Präsident George W. Bush einhandelte. Er ließ die Homo-Ehe legalisieren, obwohl die katholische Kirche dagegen Sturm lief. Die Zwistigkeiten mit den USA und dem Vatikan konnten dem sozialistischen Regierungschef nichts anhaben, so lange ihm die Gunst der spanischen Wähler sicher war.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 20 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Am Wochenende demonstrierten mehr als 400.000 Menschen gegen seine Pläne für eine Bildungsreform, die vierte Massenkundgebung gegen die Regierung in einem halben Jahr. Die Sozialisten (PSOE) liegen erstmals seit ihrem Wahlsieg im März 2004 laut Umfragen hinter der konservativen Volkspartei (PP).
Der jüngste Massenprotest richtete sich gegen das Vorhaben, an den Schulen Religion als Pflichtfach abzuschaffen. Die Bischöfe hatten die Gläubigen aufgerufen, an der Kundgebung teilzunehmen. Um die Wogen zu glätten, schickte Zapatero seine Stellvertreterin Maria Teresa Fernández de la Vega zu einem Blitzbesuch in den Vatikan.
Aber die Vizeregierungschefin bekam dort, wie die Zeitschrift "Ecclesia" berichtete, von Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano "in diplomatischer Form die Leviten gelesen". Die Kirchenführung hat Zapatero die Zulassung der Homo-Ehe nicht vergessen. "Spanien ist seit über einem Jahr für den Vatikan das Problem Nummer 1 in der westlichen Welt", so das kirchliche Wochenblatt.
Der Zwist mit der Kirche dürfte aber nicht Zapateros größtes Problem sein. Für die Wähler wiegt eine andere Frage viel schwerer: die Erweiterung der Autonomie für die Region Katalonien. Zapatero, der im Parlament auf die Unterstützung der Republikanischen Linken Kataloniens (ERC) angewiesen ist, will der wirtschaftstärksten Region des Landes zu mehr Eigenständigkeit verhelfen.
Dies brachte ihm von der PP den Vorwurf ein, er "verkaufe" die Einheit Spaniens, um mit Hilfe der ERC regieren zu können. Die PP startete eine Kampagne und erzielte die gewünschte Wirkung: 46 Prozent der Spanier sehen die Einheit desLandes durch die Autonomiepläne bedroht. Manche meinen gar, Katalonien könnte für Zapatero das werden, was für Jose Maria Aznar der Irak-Krieg war. Der konservative Vorgänger hatte sich gegen den Willen seiner Wähler an der Seite der USA am Irak-Krieg beteiligt - was seine Partei 2004 den Wahlsieg gekostet haben dürfte.
)
)
)
)