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Spannungen zwischen D'Alema und Prodi

Von Micaela Taroni

Politik

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Zwischen dem italienischen Regierungschef Massimo D'Alema und dem neuen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi herrscht kalter Krieg. Prodi, der im vergangenen Februar die Reformbewegung

"Demokraten" gegründet hatte, will sich nach den Wahlen zum Europa-Parlament im Juni für eine Neubelebung des verdorrten "Ulivo" (Ölbaum), der Mitte-Links-Koalition, bemühen, der er bei den

italienischen Parlamentswahlen im April 1996 zum Erfolg verholfen hatte. Prodi hofft bei der Wahl am 13. Juni auf mindestens zwölf Prozent der Stimmen. Seine Bewegung würde somit zur zweitstärksten

Gruppierung des in Rom regierenden Mitte-Links-Blocks aufsteigen und somit ihren Einfluß innerhalb der italienischen Regierungskoalition ausbauen. Prodi will mit seiner Gruppierung im Rahmen der

Mitte-Links-Koalition eine aktivere Rolle spielen und drängt daher auf eine Neugründung des "Ulivo".

D'Alema will jedoch von Prodis Projekt nichts wissen. Er befürchtet ein zu großes Erstarken der Demokraten innerhalb der Koalition und überdies Konflikte der Demokraten mit dem Juniorpartner der

Koalition, der katholischen Volkspartei (PPI). D'Alema will keine Spannungen in gemäßigten Kreisen schüren, die die Stabilität seiner Mitte-Links-Regierung gefährden könnten. "Die Demokraten und

D'Alemas Demokratische Linke sind natürliche Verbündete. Die Konsolidierung des Ulivo ist notwendig, um die oppositionelle Mitte-Rechts-Allianz zu bremsen, die an interner Einheit gewonnen hat.

Die Spannungen zwischen dem Wirtschaftsprofessor aus Bologna und D'Alema scheinen sich von Tag zu Tag zu verschärfen. Der Regierungschef zeigte sich irritiert, weil Prodi, dem er beim Aufstieg zum EU-

Kommissionspräsidenten auf entscheidende Weise geholfen hatte, sich nicht ausschließlich seinen neuen Aufgaben in Brüssel widmet, sondern weiterhin einer der Hauptakteure der politischen Szene

Italiens sein will. "Nicht nur mir, auch ganz Europa erscheint seine Doppelrolle als Kommissionspräsident und Parteichef unangebracht", betonte D'Alema.