Zum Hauptinhalt springen

Sparstrumpf füllen statt Städte erkunden

Von Petra Medek

Wirtschaft

Die Reisezurückhaltung ist bei den Österreichern so ausgeprägt wie schon lange nicht mehr, ergab eine Umfrage des Ludwig-Boltzmann-Instituts im September. Nur 45% hegen Urlaubspläne, vor einem Jahr waren es noch 55%. "Die Sparabsichten der Österreicher und Österreicherinnen erreichen offensichtlich einen ersten Höhepunkt", heißt es in der Studie. Besonders den Pensionisten scheinen die Diskussionen um die Pensionskürzungen die Lust am Urlaub zu verderben.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 20 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Nur noch 28% der befragten Pensionisten wollen eine Reise in den kommenden 12 Monaten unternehmen. Im vergangenen Oktober waren es noch 44%. "Es ist eine paradoxe Entwicklung, dass diese potenzielle Zielgruppe der Tourismusbranche stetig wächst, durch die sinkende Kaufkraft Senioren aber insgesamt immer seltener verreisen", heißt es in der Studie.

Ein Trend, den auch der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ), der selbst ein Reisebüro betreibt, verfolgen kann. "Die Reiselust der Pensionisten ist zwar ungebrochen, doch derzeit achten alle genau auf jeden Euro", sagt Andy Wohlmuth vom Verband im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Debatten über die Rentenkürzungen hätten die Unsicherheit geschürt und drückten auf die Konsumlaune. "Da kann es gut sein, dass manche, die sonst im Frühjahr und im Herbst auf Reisen gingen, heuer nur einen Urlaub gemacht haben", so Wohlmuth. Selbst die Nachfrage nach Tagesausflügen sei gesunken.

Reiseunlust grassiert auch im Mittelstand

Dass auch der Mittelstand von der Reiseunlust betroffen ist, zeigt der Berufsgruppenvergleich: 59% der Angestellten und Beamten planen, 2004 zu verreisen. Im Oktober vergangenen Jahres waren es noch 72%. Bei den Facharbeitern sei der Rückgang mit 8 Prozentpunkten vergleichsweise geringer, so die Studie.

An der grundsätzlichen Verteilung der Reisehäufigkeit unter den einzelnen Gruppen hat sich demnach wenig verändert: Angestellte und Beamte wollten nach wie vor am häufigsten verreisen (59%), gefolgt von Facharbeitern (40%) und Pensionisten (28%). Bei einem Vergleich der Reiselust zwischen den Geschlechtern gelten Männer laut dem jüngsten Reisebarometer etwas reisefreudiger als Frauen. Ein Viertel weniger Frauen als Männer planten zuletzt, in den nächsten 12 Monaten zu verreisen. Die Reiselust der Frauen ist damit um ein Viertel zurückgegangen, nur noch 38% (52%) gaben im September 2003 an, Urlaubspläne zu schmieden. Bei den Männern waren es 51% (59%).