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Besatzungskinder erhalten deutsche Staatsbürgerschaft. | Paris. (afp) Mit Tränen in den Augen hält Daniel Rouxel die deutsche Einbürgerungsurkunde in Händen. Auf diesen Moment hat der 66-jährige Franzose seit Jahren gehofft. "Jetzt bin ich auch Deutscher", sagt Rouxel vor dem deutschen Konsulat in Paris. "Ich bin kein Bastard mehr." Der Franzose ist eines von bis zu 200.000 "Kriegskindern" - Kinder, die im Zweiten Weltkrieg aus Beziehungen von Französinnen mit deutschen Besatzungssoldaten hervorgegangen sind. Und er ist der erste von ihnen, der die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen hat.
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Zu lange seien sie beschimpft worden als "Bastarde" und "Hurenkinder", sagt Rouxel, der im April 1943 in Paris geboren wurde - im anonymen Paris, weil seine Mutter die Schande nicht ertragen habe, das Kind eines Deutschen in ihrem kleinen bretonischen Dorf zur Welt zu bringen. Bestenfalls hätten sie sich dort das Maul zerrissen über sie. Vielleicht hätten sie ihr, der "Hure", den Kopf geschoren und sie halbnackt durch den Ort gejagt - wie es nach dem Krieg zehntausenden Französinnen erging, die sich der "horizontalen Kollaboration" schuldig gemacht hatten.
Verstoßen aus Angst vor der Schande
In Rouxels Geburtsurkunde steht "Vater unbekannt", und lange Zeit dachte er, "ein Kriegsunfall" zu sein, wie er erklärt. Seine Mutter habe ihn nach der Geburt ins Heim gegeben, dann sei er zu Pflegeeltern gebracht worden. Mit vier Jahren habe er zu seiner Großmutter ziehen müssen - zu einer Frau, die sich von ihm jede Berührung geschweige denn Umarmung von ihm verbat. Seine Mutter habe er einmal im Jahr gesehen. Noch schlimmer, als nicht geliebt zu werden, sei für ihn, "nicht lieben zu können, weil dieses Gefühl von den anderen zurückgewiesen wird", schildert Rouxel.
Erst in den letzten Lebensjahren seiner Mutter habe er erfahren, dass sein Vater und sie sich geliebt hätten und zusammenbleiben wollten, berichtet Rouxel, der heute mit seiner zweiten Frau in Le Mans im Nordwesten des Landes lebt. Als der Wehrmachtsoldat Otto Ammon in Frankreich starb, blieb die Mutter "am Boden zerstört" zurück. Die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat er erst Mitte der 1990er Jahre - um endlich als Kind seines Vaters anerkannt zu werden. Damals sei ihm bewusst geworden, dass es zehntausende weitere "Kinder der Schande" gebe. Nur wenige von ihnen wollen aber auch die väterliche Staatsangehörigkeit annehmen, und nicht jeder hat das Glück, seine Herkunft wie Rouxel genau belegen zu können.
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