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EU-Satellitensystem Galileo wird vielleicht nicht vor 2017 fertig. | Russen müssen mit Raketen aushelfen. | Brüssel. Vor drei Jahren war das EU-Satellitennavigationssystem Galileo fast gescheitert. Nachdem die EU-Kommission die Projektleitung vom damals heillos zerstrittenen Konsortium übernommen hatte, funktioniere die Abwicklung zwar nun besser, heißt es in Diplomatenkreisen. Als geplanter Fertigstellungstermin gelte derzeit aber erst 2014 oder 2015, ein oder zwei weitere Jahre Verzögerung könnten nicht ausgeschlossen werden. Das bedeutet allerdings eine Fertigstellung zehn Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin 2007. Und auch die Aufbaukosten dürften dramatisch höher sein als zunächst angenommen.
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Die 30 Satelliten sollen nach Vorstellung der EU wesentlich genauere Standortbestimmungen liefern als das US-Satellitennavigationssystem GPS - und damit die Union unabhängig von den amerikanischen Kollegen machen. Doch das Projekt birgt laufend technische Tücken: So müssen die Galileo-Satelliten mit russischen Sojus-Raketen ins All geschossen werden. Denn der Transport der kleinen Navigationssatelliten mit den europäischen Ariane- 5-Raketen ist wirtschaftlich kaum vertretbar. Die Ariane 5 kann nämlich immer bloß zwei Satelliten auf einmal korrekt in der Umlaufbahn platzieren. Weil sie für den Transport von schweren TV-Satelliten konzipiert ist, wäre die 100 Millionen Euro teure Einwegrakete im Galileo-Einsatz daher stets halb leer.
Daher wird gerade eine Abschussrampe für die russische Sojus im europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guyana gebaut, um die kleineren und wirtschaftlicheren Raketen der Russen nutzen zu können. Denn Kourou im nördlichen Südamerika eignet sich wegen seiner Lage nahe dem Äquator besser für die Starts als der russische Weltraumbahnhof Baikonur in der kasachischen Steppe.
Längst fürchten nicht nur die EU-Kommission und Deutschland, dass die 3,4 Milliarden Euro, die für die Aufbaukosten budgetiert wurden, am Ende zu wenig sein werden. Das EU-Parlament schätzt, dass damit gerade einmal 18 Satelliten gebaut und ins All geschossen werden könnten. Die 12 weiteren Satelliten bedeuten Mehrkosten von mehr als 2,2 Milliarden Euro. Und 1,8 Milliarden wurden bereits ohnehin für die Entwicklung des Systems veranschlagt. Diplomaten verweisen darauf, dass die Hälfte der Auftragspakete erst bis Jahresende vergeben werden. Erst dann gebe es ein zuverlässiges Bild über die tatsächlichen Kosten und Zeitpläne.
Laut EU-Kommission soll das Marktvolumen vorläufig zwar 120 Milliarden Euro betragen. Doch wenn das System nicht wirklich 2014 oder 2015 fertig wird, könnten Absatzprobleme drohen: Denn 2015 sollen sowohl die neue und genauere Version des GPS als auch das globale chinesische Satellitenortungssystem Compass in Betrieb gehen.
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