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Spidla: "Gleichstellung ist nicht nur eine gute Idee"

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

Kommission stellt EU-Aktionsplan und Idee für Gender-Institut vor. | Brüssel. Sozialkommissar Vladimir Spidla hat sich die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen auf die Fahnen geheftet. Er plant einen Vier-Jahres-Plan, bei dem er sämtliche Gleichstellungsvorschriften der Mitgliedsstaaten überprüfen und ein eigenes Gender-Institut einrichten will. Dieses soll schon Anfang nächsten Jahres - vorerst in Brüssel - seine Arbeit aufnehmen und bis 2013 über 50 Millionen Euro verfügen.


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Ein besonderes Augenmerk möchte Spidla auch der Gleichstellung der Geschlechter außerhalb der EU widmen, kündigte er am Freitag an. Den Grundstein dafür will er mit einer Reise in das Kandidatenland Türkei im Vorfeld des internationalen Frauentages am 8. März legen.

Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Kommissar aber der fortwährende Einkommensunterschied innerhalb der EU. Im Schnitt verdienen Frauen um 15 Prozent weniger als Männer. 32,6 Prozent sind in Teilzeitarbeitsverhältnissen gegenüber 7,4 Prozent der männlichen Kollegen. Im Gegenzug gibt es nur 2,5 Prozent Frauen in absoluten Spitzenpositionen wie im Vorstand von großen Unternehmen. Bemerkenswert sei, das in der Türkei immerhin vier Prozent Frauen in diesen Top-Positionen vertreten seien, meinte Spidla - "ein Vergleich, der nicht oft angestellt wird".

Nun plant der Kommissar, die Durchsetzung des EU-Rechts zur Gleichstellung in den Beitritts- und Kandidatenländern stärker ins Bewusstsein zu rücken und zu überwachen. So wird im Aktionsplan ein Zusammenhang mit der Planung von Finanzhilfen vor dem Beitritt und bei den Verhandlungen genannt.

"Gleichstellung ist nicht nur eine gute Idee", sagte Spidla. Sie helfe den Menschen auch ihr volles Potential zu entfalten und trage damit zu einem wettbewerbsfähigeren Europa bei. Als Maßnahmen in diese Richtung pries Spidla etwa die Förderung von Vorschulen mit Geldern des Europäischen Sozialfonds.