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Sportsmänner

Von Walter Hämmerle

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Es gibt Menschen, die müssen aus allem ein Wettrennen machen. Überraschenderweise zählen dazu auch Österreichs Spitzenpolitiker. Allerdings nicht beim Reformieren.


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Der Mensch an sich fühlt sich ja generell zu Prominenten jeglichen Kalibers hingezogen, in deren Licht er sich sonnen kann. Für Politiker im Popularitätstief gilt diese Regel zum Quadrat. Und wer wäre in einem Wintersportland wie Österreich für Annäherungsversuche dieser Art besser geeignet als Skisportler. Umso besser, wenn diese zu Seriensieger mutieren, wie Österreichs Helden der Lüfte und Loipen bei der kürzlich zu Ende gegangenen Nordischen Ski-WM in Oslo.

Kein Wunder, dass sich Österreichs Spitzenpolitiker - Vollblutprofis, die sie allesamt sind - eine solche Chance nicht entgehen ließen. Immerhin galt es in Oslo gleich sieben Goldmedaillen zu bejubeln.

Es wäre allerdings nicht Österreich und schon gar nicht diese Koalition, wenn sich daraus nicht ein Wettlauf um die schnellste Gratulation entwickeln würde. Immerhin fand die Aussendungsschlacht unter strengen Bedingungen statt: Zugelassen waren nur Kanzler Werner Faymann - als solcher Experte für eh alles -, Finanzminister Josef Pröll - detto - und der eigentlich zuständige und für die erfreuliche Abwechslung höchst dankbare Sportminister Norbert Darabos.

Als Überraschungssieger des koalitionsinternen Aussendungswettlaufs, bei dem mitunter nur Sekunden den Ausschlag gaben, geht der bisher nicht als Sportskanone aufgefallene ÖVP-Obmann hervor: Gleich bei vier der insgesamt sieben errungenen Goldmedaillen (Team Kombination von der Groß- und Kleinschanze, Gregor Schlierenzauer von der Großschanze sowie Thomas Morgenstern von der Kleinschanze) stellte sich Josef Pröll als erster Gratulant ein.

SPÖ-Chef Werner Faymann gewann in dieser Wertung immerhin zweimal Gold - beim Herren-Springer-Team von der Großschanze und bei Skispringerin Daniela Iraschko). Pech hatte der Kanzler bei Morgensterns Solo-Gold, wo Prölls Aussendung nur um Sekunden vor jener des Kanzlers ins APA-System sprang. Ein Unentschieden war also für Faymann durchaus in Reichweite.

Allerdings konnte er diesbezüglich nicht wirklich auf Unterstützung von Darabos zählen. Der, ganz Sportsmann und wohl auch eingedenk der innenpolitischen Hierarchien, hielt sich aus dem Kampf der Alphatiere heraus und begnügte sich mit der schnellsten Aussendung zum zweiten Teamgold der Skispringer.

Offen bleibt vorerst noch, welche Rückschlüsse dieses Kräftemessen für die kommenden politischen Auseinandersetzungen in der Koalition zulässt. Allenfalls ein dezenter Hinweis an die SPÖ-Strategen sei erlaubt: Offensichtlich sitzt der ÖVP-Pressedienst bei Sport-Großereignissen wie gebannt vor dem TV-Bildschirm ...