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Sprit aus Weizen und Mais aus Österreich

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Agrana investiert 125 Mio. Euro. | Inbetriebnahme im Herbst 2007. | Wien. Am Donnerstag wurde der Grundstein gelegt, nächstes Jahr im Oktober soll die Anlage in Pischelsdorf bei Tulln Biotreibstoff produzieren. Bis zu 240.000 Kubikmeter Bioethanol - Sprit aus Weizen, Mais und Zuckerrüben - pro Jahr soll das Werk herstellen können. Der Zuckerkonzern Agrana investiert 125 Mio. Euro, die Rübenbauern sind mit 25,1 Prozent beteiligt und die niederösterreichische Landesregierung hat einen einmaligen Investitionszuschuss von 4 Mio. Euro beschlossen.


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"Durch die EU-Biotreibstoffrichtlinie wird die Nachfrage nach Biokraftstoffen in den nächsten Jahren kräftig steigen", sagt Agrana-Generaldirektor Johann Marihart. Seit vergangenem Oktober muss Diesel in Österreich einen Anteil von 2,5 Prozent Biodiesel enthalten, die Beimischungsmenge steigt bis 1. Oktober 2008 auf 5,75 Prozent an. Ab 1. Oktober 2007 gilt die Beimischungspflicht von Biotreibstoff auch für Benzin: 2,5 Prozent Bioethanol müssen dann im Benzin enthalten sein. Auch hier steigt der Anteil auf 5,75 Prozent bis zum Jahr 2008. Laut EU-Richtlinie sollen damit Kohlendioxid-Emissionen verringert werden.

Theoretisch könne das Werk den Bedarf gemäß der EU-Richtlinie für Österreich decken, heißt es von der Agrana. Mit der OMV wurde ein Vertrag für die Dauer von fünf Jahren abgeschlossen, etwa ein Drittel der Produktion wird der heimische Mineralölkonzern abnehmen. "Wir hoffen, dass wir auch andere Unternehmen bedienen werden können", sagt Gertraud Wöber, Leiterin der Agrana-Konzerninformation. Denn auch dem angebotenen Benzin von beispielsweise Shell oder Exxon muss ab dem kommenden Jahr Bioethanol beigemischt sein.

Kritiker sprechen von "Zynismus" und "Irrsinn, Weizen zu verheizen". Dem wird - etwa von den Grünen - entgegengehalten, dass der Anbau für Nahrungsmittel-Versorgung jedenfalls Vorrang haben werde. Experten meinen, Österreich brauche sich diesbezüglich keine Sorgen machen. Die Agrana verweist zudem auf "Chancen" für die heimischen Landwirte - und in der Präambel der EU-Biokraftstoffrichtlinie heißt es: "Durch die Förderung von Biokraftstoffen (...) könnten neue Möglichkeiten für eine ländliche Entwicklung im Rahmen einer stärker marktorientierten Gemeinsamen Agrarpolitik entwickelt werden."

Heimischer Weizen

Rohstoffe aus Übersee zu importieren würde sich laut Agrana nicht rechnen. "Grundsätzlich ist es unser Ziel, die Rohstoffe in Österreich zu kaufen", sagt Agrana-Vorstand Walter Grausam. "Wir rechnen auch damit, dass wir den Bedarf in Österreich decken können."

Dabei kommen dem Konzern auch die Marktgegebenheiten zu Gute: "Die EU hat die Agrarpreise systematisch an die (niedrigeren) Weltmarktpreise angeglichen. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Verwertung von Agrargütern wie Weizen oder Zuckerrüben für die energetische Nutzung attraktiv geworden sind", erläutert Agrarexperte Franz Sinabell vom Wirtschaftsforschungsinstitut.

Das heimische oder europäische Bioethanol wird vor Billig-Konkurrenz durch Zölle geschützt: Derzeit werden 190 Euro pro Kubikmeter wasserfreien Gärungsalkohol eingehoben. Der Außenschutz ist ein Streitpunkt in den Verhandlungen der Welthandelsorganisation sowie zwischen EU und der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur.

Stichwort: Bioethanol

"Bioethanol" ist ein aus kohlehydrathaltiger Biomasse (Zucker, Stärke) hergestellter Gärungsalkohol. Für die Bioethanol-Produktion in Pischelsdorf werden 75 Prozent Weizen, 15 Prozent Mais und 10 Prozent Zuckerrüben-Dicksaft verwendet. Die Agrana sieht großes Potential in der Bioethanol-Produktion, auch aufgrund der steuerlichen Begünstigung für Biotreibstoff.

Die Agrana-Mutter Südzucker AG will ihren Bioethanol-Sparte unter dem Namen "CropEnergies AG" noch heuer an die Börse bringen - das plant die Agrana nicht.