Spritpreise purzeln - aber nicht so wie der Ölpreis

Von Karl Leban

Wirtschaft

ÖAMTC kritisiert: "Verhältnis stimmt nicht", Mineralölbranche betont: Rohöl nur ein Teil der Kosten.


Wien. Der Sturzflug des Ölpreises hält nun schon seit gut eineinhalb Jahren an, und ein Ende ist nicht in Sicht. Hat ein Fass Mitte 2014 noch rund 110 Dollar gekostet, liegen die Weltmarktpreise jetzt mit 30 bis 33 Dollar um zirka 70 Prozent tiefer. Der Grund: Es gibt ein Überangebot an Öl, und global ist die konjunkturelle Nachfrage zu schwach, um diesen Überhang abzubauen. Mitte Jänner notierte Öl kurzfristig sogar bereits unter der 30-Dollar-Marke, was in Fachkreisen immer radikalere Verfallsprognosen zur Folge hatte.

Bei den Ölproduzenten ist das Wehklagen schon länger unüberhörbar. Doch zu denen, die wegen des Billigöls jubeln, gehören auch die Autofahrer. Für sie ist Tanken so günstig wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr. Zumindest gilt das für Österreich, wo derzeit vielerorts ein Liter Super knapp unter einem Euro zu haben ist und ein Liter Diesel teilweise deutlich unter 90 Cent.

Der Abwärtstrend entlastet die Haushaltskassen nun schon seit einiger Zeit. Im Vergleich zu den Ölpreisen sind die Spritpreise jedoch in deutlich geringerem Ausmaß gesunken. Ein aktuelles Beispiel: Während sich Opec-Öl seit Jahresbeginn um zirka 20 Prozent verbilligt hat, haben sich die Nettopreise für Treibstoffe (also ohne Steuern) nur um rund drei Prozent nach unten bewegt, wie die ÖAMTC-Expertin Elisabeth Brandau errechnet hat.

Mehrere Preiskomponenten

Beim ÖAMTC glaubt man jedenfalls, dass die Preise an den Tankstellen noch tiefer sein müssten. Inklusive Steuern zahlten die Autofahrer derzeit je Liter im Durchschnitt nur um 1,5 Cent weniger als Ende 2015, womit die Ersparnis lediglich bei 75 Cent für einen 50-Liter-Tank liege, sagt Brandau. Sie sieht die günstigeren Ölpreise "noch nicht ganz bei den Konsumenten angekommen". Dass Sprit auf Nettopreisbasis nur drei Prozent billiger ist, nachdem die Ölpreise seit Anfang Jänner um ein Fünftel weiter eingebrochen sind, ist für die ÖAMTC-Expertin nicht nachvollziehbar: "Da stimmt das Verhältnis nicht, das ist zu kritisieren." Ihr Fazit: "Tanken ist noch nicht günstig genug."

Die Mineralölbranche sieht das anders. Sie argumentiert damit, dass Rohöl lediglich einen Teil der Spritkosten ausmache. Schließlich müsse es in den Raffinerien erst zu Benzin und Diesel verarbeitet werden. Und diese Produktionskosten schwankten nicht mit dem Ölpreis, wie in der Mineralölwirtschaft betont wird. Gleiches gelte für die Kosten für Vertrieb und Forschung, die man in den Spritpreisen ebenfalls berücksichtigen müsse. Zudem könne ein schwächerer Euro bewirken, dass sich trotz fallender Ölpreise, die ja in Dollar berechnet seien, bei den Preisen an den Zapfsäulen mitunter gar nichts tue.

Mehr als die Hälfte Steuern

Mehr Transparenz hätten die Konsumenten freilich, wenn öffentlich bekannt wäre, wie hoch der Anteil des Rohöls an den Gesamtkosten für Sprit ist. Aus geschäftspolitischen Gründen wird das von den Mineralölmultis aber streng geheim gehalten. Kein Geheimnis ist indes, dass vom Bruttopreis an den Tankstellen mehr als die Hälfte auf Steuern entfällt: auf die Mineralölsteuer, die bei Benzin mit 48,2 Cent und bei Diesel mit 39,7 Cent je Liter fix festgesetzt ist, und auf die am Schluss draufgeschlagene Mehrwertsteuer.