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"Stadt-Zulage": Will Wien mehr Polizisten, kommt es um ein Gehalts-Zuckerl nicht herum

Von Werner Grotte

Analysen

Immer mehr Polizisten wollen weg aus Wien. Das ist ein Faktum, mit dem sich der neue Innenminister, egal aus welcher Partei, intensiv auseinandersetzen wird müssen. Denn den immer besser gerüsteten internationalen Banden können nur ausgeschlafene und motivierte Polizisten paroli bieten. | Und die gibt es schon lange nicht mehr. Schon die durchschnittliche Überstundenbelastung eines Wiener Polizisten liegt bei 37 Stunden pro Monat. Tatsächlich sind aber Einsatzkräfte, die 60 bis 80 Überstunden im Monat machen (müssen), keine Seltenheit. Der traurige Rekord liegt laut Polizeigewerkschaft bei sagenhaften 96 Stunden durchgehenden Dienstes eines Beamten in der Wiener Innenstadt. Was Arbeitsmediziner unter solchen Umständen zu Fahrzeug- und Waffengebrauch sagen, bedarf kaum näherer Erläuterung.


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Zur Abschaffung dieser Überbelastungen müssten einerseits einmal die Ist-Stände auf den Polizei-Inspektionen den Soll-Ständen angeglichen werden. De facto fehlen auf den meisten Wachzimmern durch Dienstzuteilungen zu Spezialeinheiten und -aufträgen 20 bis 30 Prozent des vorgesehenen Personals - bei zumindest gleichbleibender Belastung.

Wien verfügt mit rund 8000 Polizisten (davon 5000 auf der Straße) am Papier über 24 Prozent der bundesweit verfügbaren Polizeikräfte. Diese sind mit einem guten Drittel der bundesweit anfallenden Kriminalität konfrontiert. Berücksichtigt man den genannten Fehlbestand, so beträgt die Differenz um einiges mehr als die immer wieder kolportierten "1000 Polizisten für Wien".

Weil sich selbst 1000 zusätzliche Beamte aber nicht aus dem Zylinder zaubern lassen, wird es kurzfristig ohne die in jüngster Zeit schon mehrfach geforderte "Ballungsraum-Zulage" in Form eines finanziellen Zuckerls nicht gehen.

Denn vor allem niederrangige Wiener Polizisten müssen gegenüber ihren Kollegen in den Bundesländern einen weiteren Nachteil erdulden: Trotz offizieller Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie hat sich nämlich in den Bundesländern die Arbeitseinteilung im "Wechseldienst" erhalten.

Hier werden die Dienste jeweils nur für einen Monat eingeteilt, wobei die Beamten 28 Stunden "Journaldienst" zusätzlich verrechnen können, die aber in die normale Dienstzeit fallen. Diese Abend-Telefondienste fetten das Gehalt um rund 420 Euro monatlich auf.

In Wien gibt es hingegen fixe Arbeits- und Diensteinteilung für niedrige Dienstränge einer Polizeiinspektion und somit auch keinen "Journal"-Mehrverdienst. Das durchschnittliche Anfangs-Monatsgehalt eines Inspektors liegt bei rund 1300 Euro netto. Mehr verdienen können die Wiener nur durch (zwangsweise) Überstunden - und das zu Lasten von Familie, Gesundheit und Motivation.