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"Stand öffnen und flexibler machen"

Von Konstanze Walther

Wirtschaft

WZ-Interview mit Vizepräsidentin der Wiener Anwälte. | Mehr Hilfe für Junganwälte. | Wien. "Man kann mehr tun", meint Rechtsanwältin Elisabeth Rech über ihre Standesvertretung: Vor allem der Nachwuchs gehört mehr gefördert. "Wenn man sich als Junganwalt selbständig macht, soll einen die Kammer nicht alleine lassen, sondern Konzepte anbieten. Bis jetzt muss sich jeder bei der Unternehmensgründung noch selbst durch die Software- und Versicherungssachen quälen, die Kammer sollte in diesen Bereichen Informationen bereitstellen können", so Rech, die seit Ende April neue Vizepräsidentin der Wiener Rechtsanwaltskammer ist und gemeinsam mit ihren Kollegen Brigitte Birnbaum und Michael Auer den Präsidenten Harald Bisanz vertritt. Auch will sie die Standes- und Rechtspolitik für alle Wiener Rechtsanwälte öffnen und vor allem die Konzipienten mehr in die Standesarbeit einbeziehen, "denn das werden einmal unsere Kollegen sein."


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#Kooperation mit anderen Berufen

Potenzial sieht die Strafrechtsexpertin, die vor allem in der Behandlung von Grundrechtsfragen in Erscheinung getreten ist, auch in der "Vernetzung der Zusammenarbeit mit anderen Standesvertretungen, denn das Wissen der jeweils anderen hilft, die Materie besser zu verstehen." Rech kennt keine Berührungsängste. Mit der Ärztekammer sind schon gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen zu den Neuerungen im Medizinrecht geplant, wie etwa Patientenverfügungen und Vorsorgevollmacht. Kein Stand ist ausgeschlossen: "Da braucht man Phantasie", man könne auch mit der Wirtschaftskammer etwas zum neuen Unternehmensgesetzbuch machen.

Gegen Jus-Bachelor als Grundstudium

Ein Jus-Studium mit Bachelor-Abschluss schließt Rech für im Rechtsbereich tätige Absolventen aus: Das bisherige Vier-Jahres-Studium soll beibehalten werden, wer einen Bachelor in Jus machen will, könne ja das Wirtschaftsrechts-Studium auf der Wirtschaftsuniversität wählen. Ob eine über das Grundstudium hinausgehende Postgraduale Ausbildung bzw. Sprachen für Rechtsanwaltsanwärter wichtig sind, hänge nicht mehr nur davon ab, in welcher Art von Kanzlei der Konzipient Praxis macht. "Ein MBA oder LLM gehört genauso wie Sprachen zum Anforderungsprofil in den größeren Wirtschaftskanzleien."

Aber in einem vereinten Europa gewinnen solche Ausbildungen immer mehr an Bedeutung auch für Einzelkämpfer in Kleinkanzleien, "und ich komme aus einer solchen Struktur", so die Vizepräsidentin.