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Standardisierte Matura führt nicht zu Niveau-Verlust

Von Walter Jahn

Gastkommentare

Standardisierte Aufgabenstellungen bei der schriftlichen Matura bedeuten eine weitere Qualitätsverbesserung des ohnehin guten österreichischen Schulsystems.


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Auf Grund meiner Erfahrungen als Lehrer, Schulleiter und Matura-Vorsitzender bin ich überzeugt, dass zentral vorgegebene Klausurarbeiten für vergleichbare und aussagekräftige Matura-Noten unverzichtbar sind. Die meisten europäischen Staaten sind zu dieser Erkenntnis gelangt und haben zentrale Abschlussprüfungen eingeführt.

Die derzeitige Praxis führt dazu, dass sich Schwierigkeit und Berücksichtigung der verschiedenen Unterrichtsziele nicht nur von Schule zu Schule, sondern auch von Lehrkraft zu Lehrkraft derart unterscheiden, dass die Ergebnisse kaum als gerecht bezeichnet werden können. Außerdem liegt der Schwerpunkt der Maturaprüfungen allzu oft bei schnell angelernten (und dann schnell wieder vergessenen) Inhalten und nicht bei auf Dauer erworbenen Kompetenzen.

An zahlreichen Schulen werden bereits, zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten, in den lebenden Fremdsprachen zentral vorgegebene Aufgabenstellungen verwendet. Diese werden von Experten erarbeitet und vor ihrem Einsatz an Hunderten Schülern erprobt. Die Ergebnisse solcher Maturaprüfungen sind valide und vergleichbar.

Von einem Niveau-Verlust kann nicht die Rede sein: Kritiker der standardisierten Reifeprüfung, die selbst eine Matura in Englisch abgelegt haben, sollten einmal selbst versuchen, die heuer verwendeten Englischaufgaben zu lösen.

Da die standardisierten Aufgabenstellungen - nach ihrer Verwendung bei der Reifeprüfung - allgemein zugänglich sind, können sie bei Schularbeiten oder als nicht benotete Überprüfungen eingesetzt werden. Dadurch wird der Leistungsstand der jeweiligen Klasse objektiv gemessen und es werden Schüler und Lehrer motiviert - nach dem Motto: "Das alles können wir schon".

Es ist sehr schade, dass sechs- und vierjährig unterrichtete Sprachen, meist Latein, Französisch, Italienisch oder Spanisch, nicht in die standardisierte Matura einbezogen werden. Die Ergebnisse in den genannten Fächern bleiben dadurch weiterhin wenig aussagekräftig und nicht vergleichbar.

Schulautonome Schwerpunkte können bei der vorwissenschaftlichen Arbeit und bei der mündlichen Matura berücksichtigt werden. Allerdings sollten sich dabei die Anforderungen der Lehrer nicht deutlich voneinander unterscheiden. Eine an der jeweiligen Schule erarbeitete Aufgabensammlung, aus der die Kandidaten ihre Fragen ziehen, wäre eine gute Lösung.