Zum Hauptinhalt springen

Stark am Westbalkan vertreten

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

Österreicher auf Spitzenposten der EU in Bosnien. | Kommission lobt Engagement. | Brüssel. Die Präsenz von Österreichern in wichtigen internationalen Jobs am Westbalkan nimmt weiter zu. Vermutlich ab September wird der Posten des stellvertretenden Kommandanten der Nato-geführten Schutztruppe KFOR im Kosovo an Österreich gehen, hieß es in Nato-Kreisen. Gleichzeitig kandidiert die Grüne EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek als Delegationsleiterin der EU im jüngsten Staat Europas.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Damit könnte das Land seine Präsenz in naher Zukunft verdoppeln. Denn bereits heute ist Valentin Inzko gleichzeitig EU-Sonderbeauftragter und Vertreter der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina. Die dort stationierte EU-Truppe Eufor Althea mit derzeit rund 1600 Soldaten aus 26 Ländern wird vom österreichischen Generalmajor Bernhard Bair befehligt.

Lunacek ist heute Berichterstatterin des EU-Parlaments für den Kosovo und hat sich mit ihrer Arbeit offensichtlich Respekt in der Region verschafft. Zwar sei sie von serbischer Seite eine Zeit lang als parteiisch für die Kosovaren wahrgenommen worden, meinte ein Diplomat. Das habe sich jedoch bereits seit längerem gebessert. Zudem habe EU-Außenministerin Catherine Ashton eine Präferenz für die österreichische Kandidatin, hieß es. Allerdings erfülle sie ein "Formalkriterium" nicht: Lunacek war bisher keine Diplomatin.

Mit Unterstützung des österreichischen Außenministeriums könnte diese Hürde genommen werden. Doch gibt es für die Grüne Politikerin nicht weniger als 12 Gegenkandidaten.

Sollte sie das schaffen, würde sie wohl nicht nur Leiterin der EU-Mission sondern gleichzeitig auch EU-Sonderbeauftragte für den Kosovo. Dieses Amt übt derzeit der italienische Diplomat Fernando Gentilini aus. Die Tendenz gehe aber dazu, beide Ämter zusammenzulegen, hieß es aus dem Europäischen Auswärtigen Dienst.

Interesse und Expertise

Eine entsprechende Entscheidung der Mitgliedstaaten darüber sei zwar noch nicht gefallen. In Mazedonien übt der Däne Peter Sörensen aber beide Ämter bereits in Personalunion aus. Inzko muss seine EU-Agenden abgeben, sobald ein neuer Delegationsleiter für Sarajewo gefunden wird; er bleibt im Dienst der Internationalen Gemeinschaft. Gelänge der Lunacek-Coup also, wären zwei der vier Sonderbeauftragten am Westbalkan Österreicher. Wichtige Rollen spielten sie in beiden internationalen Militärmissionen in der Region.

Erklärungen für den Erfolg Österreichs am Westbalkan seien Interesse und regionale Expertise, hieß es in Kommissionskreisen. Inzko etwa spricht auch die Sprachen der Region. Ein hochrangiger Diplomat gab jedoch zu bedenken, dass schon ein einziger österreichischer Amtsträger, der seinen Job schlecht macht, den guten Ruf des Landes am Westbalkan ruinieren könnte. Wenig neugierig seien die Menschen der Region auf herablassend agierende Mandatare.

Nicht mehr in Bosnien tätig will dagegen die Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (ADA) sein. Sie schließt ihr Büro in Sarajewo, Österreich will das Land künftig über die EU-Schiene unterstützen. Laut Außenministerium hat die ADA Bosnien von 1995 bis 2010 mit 465 Millionen Euro gefördert.