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Neustart als Berater bei Transaktionen. | Abverkauf wegen roter Zahlen. | Ost-Expansion ist kein Thema mehr. | Als er kürzlich seinen 55. Geburtstag feierte, entschloss er sich endgültig, eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen: Friedrich Scheck, sechs Jahre lang Vorstandsvorsitzender der Wiener Eco Business-Immobilien AG, wird sein Mandat per 31. Dezember zurücklegen und will noch einmal durchstarten. Der gelernte Steuerberater, der immer schon ein Faible für das Geschäft mit Realitäten hatte, bleibt der Branche erhalten und wird sich in Zukunft als selbständiger Berater bei Immobilientransaktionen betätigen.
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Seine WT 80 Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung GmbH steht ab Jänner im In- und Ausland potenten Investoren, also etwa Fonds und börsenotierten Companys, aber auch Privatstiftungen und Banken zu Diensten, die Schecks langjähriges Markt-Know- how ebenso brauchen könnten wie seine exzellenten Kontakte. Das Unternehmen wird zunächst aus sechs Mitarbeitern bestehen, wovon er zwei bis drei von der Eco mitnimmt.
Schecks Ausstieg findet unter relativ harmonischen Bedingungen statt. Alexander Schoeller, Aufsichtsratschef der Eco, bedauert seinen Abgang: "Er hinterlässt stabile und geordnete wirtschaftliche Verhältnisse." Der scheidende Vorstandsvorsitzende, der im September seine 843.000 Eco-Aktien verkauft hat und somit an der Gesellschaft nicht mehr beteiligt ist, präzisiert: "Mit 350 Millionen Euro Eigenkapital und rund 800 Millionen Immobilien-Portfolio steht das Unternehmen so gut wie nie zuvor da. Die Finanzierungsstruktur ist ganz, ganz sauber, und es gibt ausreichend Cash."
Wegen Krise rote Zahlen
Freilich: Die letzten beiden Jahre waren für die Firma - so wie für praktisch alle Mitbewerber - alles andere als lustig. Die Probleme begannen sich im ersten Halbjahr 2008 abzuzeichnen, als sich die Fremdfinanzierung verteuerte und der Markt für Business-Immobilien von einer plötzlichen Kaufzurückhaltung heimgesucht wurde. Trotz des härter gewordenen Umfelds gab es operativ noch ein positives Ergebnis, und die Vermietungserlöse kletterten auf die Rekordmarke von 36,8 Millionen Euro - gegenüber der Vorjahresperiode ein Plus von 58 Prozent.
In der Jahresbilanz 2008 sorgte die dramatische Immo-Krise allerdings für rote Zahlen: Das Konzernergebnis drehte von plus 32,77 auf minus 35,7 Millionen Euro, und das Vorsteuerergebnis (Ebit) verschlechterte sich aufgrund der fällig gewordenen Wertberichtigungen von plus 60,8 auf minus 6,8 Millionen.

Auch im ersten Halbjahr 2009 setzte es primär wegen der Abwertungen des Portfolios um 25 Millionen rote Zahlen: Statt eines Gewinnes von 5,76 Millionen wie im Vergleichszeitraum wies die Eco einen Verlust in Höhe von 14,55 Millionen aus.
Scheck musste daher seine Strategie komplett ändern, sprich: den früheren Expansionskurs stoppen und alle Hebel auf Redimensionierung schalten. Um den Schuldenabbau zu forcieren und die Liquidität zu stärken, leitete er eine groß angelegte Verkaufs aktion ein: Im heurigen Jahr stieß die Eco bereits 55 Objekte im Wert von 250 Millionen Euro ab - darunter ein einst der Bawag gehörendes Wohnhaus am Wiener Fleischmarkt, wo Ex-ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch daheim ist, ein riesiges Zinshaus am Schwarzenbergplatz, ein Hotel in Ansfelden sowie zwei Seniorenresidenzen in Deutschland.
Auf diese Weise konnte Scheck die Eigenkapitalquote von zuletzt 33 auf 40 Prozent steigern. Mit dem verbliebenen Immo-Portfolio - 63 Objekte im Gesamtwert von rund 800 Millionen, darunter repräsentative Bürohäuser in Toplagen, Supermärkte, Fachmarktzentren und Shoppingcenter - sei die vorwiegend in Österreich und Deutschland tätige Immo-AG immer noch "gut aufgestellt". Auch in Luxemburg ist sie mit einem Bürohaus um 30 Millionen Euro präsent, das in Kürze fertig und "ein feines Investment" (Scheck) sein werde.
Ost-Expansion gestoppt
Das Auslandsgeschäft, speziell im Osten, wurde indes komplett eingebremst: Die Ostexpansion, "die bei mir nicht von Herzen gekommen ist" (Scheck), startete mit der Gründung der Eco Eastern Europe Real Estate AG Ende 2006. Anleger hatten sich gewünscht, dass das Ostengagement bei der Eco mittelfristig überwiegen sollte. Heute ist Ungarn, wo Ende 2008 ein 10 Millionen teures Fachmarktzentrum in Debrecen eröffnet wurde, allerdings ebenso kein Ausbau-Thema mehr wie die Ukraine, wo ein 20-stöckiges Bürozentrum um 20 Millionen entsteht. Die Fertigstellung wird sich dort um sechs Monate verzögern, weil "mehrere Professionisten kollabiert sind".
Faktum ist: Die Erfolgsstory der im Oktober 2003 gegründeten, damals mit einem Grundkapital von zwei Millionen Euro ausgestatteten Eco, die bereits 2004 den Markteintritt in Deutschland geschafft hatte, weist einen Knick auf. Der Firma, die "ein seriöser Player am Immobilienmarkt geworden ist" (Scheck), geht es zwar um Häuser besser als der ins Chaos geschlitterten Immofinanz-Gruppe des einstigen Zampanos Karl Petrikovics, aber die Zeiten, als sie mit spektakulären Deals auf sich aufmerksam machte, sind vorbei. Scheck: "Jetzt gehts primär darum, zu verwalten - und das ist mir zu wenig".
Der Eco-Boss hatte bereits Anfang 2004 branchenintern für Furore gesorgt, als er um 31,5 Millionen den 16.600 Quadratmeter umfassenden Business-park Campus 21 aufkaufte. Im selben Jahr gelang ihm der Markteintritt in Deutschland, womit sich das Immobilienvermögen der Eco bereits auf 122 Millionen Euro summierte. Ein gelungener Börsegang im März 2005 und die damit verbundene Erhöhung des Aktienkapitals auf 58 Millionen waren Grundstein des weiteren Höhenflugs: Blitzartig wurde das Portfolio auf 331 Millionen verdoppelt.
Im Sommer 2006 schlug Scheck zusammen mit der Conwert Immobilien Invest - ihr Hauptaktionär Günter Kerbler war auch einer der maßgeblichen Eco-Gründer - und der italienischen Pirelli-Gruppe beim Verkauf von 106 Objekten der Wiener Allianz-Versicherung zu. Der 450-Millionen-Coup brachte ihm etwa das gegenüber der Wiener Staatsoper gelegene Officezentrum Opernringhof und weitere Bürohäuser.
Im Dezember 2007 folgte der dritte Streich: Gemeinsam mit der Signa Holding des Tiroler Immo-Jungstars René Benko übernahm die Eco, die seit Anfang selbigen Jahres im Prime Market der Wiener Börse notierte, das begehrte Immobilien-Paket der Bawag - auch diesmal wurden rund 450 Millionen aufgestellt.
Infolge von unterschiedlichen Auffassungen trennte sich Scheck allerdings bald wieder von der Signa, wobei er das Gros der 14 Objekte bekam, darunter das berühmte Haus am Fleischmarkt. Übrigens: Im März 2009 reichte Scheck die Prestige-Immobilie um 100 Millionen an eine Wlaschek-Stiftung weiter.
Allianz mit Conwert
Im Vorjahr rückten dann Günter Kerblers Conwert, die 24,9 Prozent an der Eco Business hält, und diese plötzlich zusammen. Alsbald tauchten Gerüchte auf, dass Letztere gänzlich übernommen werden sollte. Die Liaison währte allerdings nicht lange, sodass Scheck Mitte Jänner 2009 sein Mandat als geschäftsführender Direktor der Conwert SE mit sofortiger Wirkung niederlegte, um sich wieder ausschließlich auf die Eco zu konzentrieren. Begründung: Die beiden börsenotierten Unternehmen sollten sich auf ihre Kernsegmente - hier Wohn-, dort Büroimmobilien - fokussieren.
Die damalige Trennung dürfte für Scheck eine Art Schock gewesen sein - und vermutlich auch die Initialzündung für seinen bevorstehenden Rückzug. Die Entflechtung der Eco von der größeren Conwert lief jedenfalls nicht ganz so, wie er sich das gewünscht hätte: "Ich wollte, dass wir mehr Eigenständigkeit bekommen, aber das ist mir nicht ganz gelungen."
Womit sich die langjährige Geschäftsbeziehung abgekühlt hat. Scheck hält zwar noch 200.000 Aktien an der von Kerbler beherrschten Wiener Privatbank - also einen Anteil von 4,36 Prozent -, möchte aber auch dieses Engagement demnächst beenden. Günter Kerbler beurteilt die Aufbruchsstimmung seines langjährigen Gefährten gänzlich unaufgeregt: "Er wills halt noch einmal wissen..."
Zur PersonFriedrich Scheck, am 15. September 1954 im burgenländischen Andau geboren, wurde nach der Matura an der Handelsakademie Steuerberater, später beeideter Buchprüfer und Wirtschaftsprüfer. Ab 1980 fungierte er als Geschäftsführer der Scheck WT-Union Buchprüfungs GmbH.
1988 gründete er die Firma Igel Software, die sich auf Software für Wirtschaftstreuhänder sowie die Immobilienwirtschaft spezialisierte und zeitweise 160 Mitarbeiter beschäftigte. Ab 1994 war Scheck obendrein Chef der Scheck & Viehböck Wirtschaftstreuhand GmbH, die sich mit Managementconsulting befasste, sowie der Reorganisations-Treuhand Wien, mit der er für das Handelsgericht Wien als Masse- und Ausgleichsverwalter tätig war. Darauf verzichtete er, weil er im Oktober 2003 Vorstandsvorsitzender der Eco Business Immobilien wurde, die er mit Günter Kerbler, einem langjährigen Klienten, ins Leben rief und an der er Anteile übernahm.
In der Folge kamen rund 20 weitere Geschäftsführerjobs bei Konzerngesellschaften dazu, darunter bei der Kapital & Wert Immobilienbesitz AG und der Eco Eastern Europe Real Estate. Scheck ist überdies Inhaber der WT 80 Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung GmbH, der S8 Privatstiftung und der Scheck Holding KG. Er ist seit 30 Jahren mit seiner Frau Erika verheiratet sowie Vater von zwei Söhnen und einer Tochter.
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