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Statt der Braut ein Fernsehstar

Von Petra Tempfer

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",Das Geschäft mit der Liebe war gestern wieder ein Meilenstein in der Fernsehgeschichte", "I könnt den Orsolics knuddln" und "Mario Orsolics for President": So kommentieren Facebook-User die ATV-Serie, auf deren erste Staffel ab Jänner die zweite ab September folgte. Immer mehr Videos der einzelnen Folgen tauchen auf Portalen aller Art auf. Die Protagonisten Robert Nissel, Peter Langhammer, Mario Orsolics und nun auch Manfred Anders - alle auf Brautschau nach Frauen aus östlich gelegenen Ländern - sind zu Kultstars avanciert.

Ganz im Sinne des Erfinders, wie es scheint. Denn schon während der ersten Staffel, spätestens aber seit dem Start der zweiten tut sich zunehmend der Verdacht auf, dass nicht die Sehnsucht der Darsteller nach einer festen Beziehung - sondern nach dem Ruhm eines Fernsehstars Motor der Serie ist. Die klammen Gespräche der vier mit Bulgarinnen, Tschechinnen und Ukrainerinnen, die schon allein wegen der unverzichtbaren Anwesenheit der Übersetzerin jeglicher Intimität entbehren, rücken zunehmend in den Hintergrund, scheinen fast schon lästig zu sein: "Zu dick", "Zu klein" oder "Zu ruhig", lauten die kurz angebundenen Kommentare nach den noch kürzeren Blitz-Treffen. Zu allem Überdruss erscheinen die meisten Frauen beim zweiten Rendezvous gar nicht mehr - die Enttäuschung darüber hält sich in Grenzen. Eignet sich doch die zur Männerrunde geschrumpfte Gesellschaft noch besser für überzogene Selbstdarstellungen und ungebremstes Macho-Gehabe. Irgendwie verständlich also, dass die Männer zutiefst beleidigt reagieren, wenn ein Kollege tatsächlich eine Braut abschleppt - sein gefundenes Liebesglück würde das Ende der Serie bedeuten.