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Steht die nächste Bankenkrise ins Haus?

Von Karl Leban

Politik

Nationalbank bereits aktiv: "Sind in engem Kontakt mit den Banken."


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Wien. Vor allem auf den Finanzmärkten in Europa hat die Krim-Krise am Montag zum Teil höhere Wellen geschlagen. Panik herrschte unter den Anlegern zwar nicht, aber Nervosität. Aus Furcht vor einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine stießen viele Investoren ihre Aktien ab und flüchteten in "sichere Häfen". Von London über Frankfurt bis hin zu Wien gaben die Börsenindizes zwischen 1,5 Prozent und mehr als 3 Prozent nach, der russische Aktienmarkt knickte sogar um mehr als zehn Prozent ein. Im Gegenzug stieg der Goldpreis auf den höchsten Stand seit vier Monaten, deutlich nach oben bewegte sich auch der Ölpreis.

Unter der Verunsicherung der Investoren litten vor allem Bankwerte. Fünf der zehn größten Verlierer im marktbreiten Eurostoxx gehörten zu dieser Branche. Besonders hart traf es an Wiens Börse die in Russland und der Ukraine prominent vertretene Raiffeisen Bank International (RBI), deren Aktienkurs zwischenzeitlich um bis zu zehn Prozent einbrach.

Cashcow Russland

Ob da nun ein Bombe für den österreichischen Finanzplatz tickt? Die Lage ist jedenfalls ernst und hat inzwischen auch die Nationalbank auf den Plan gerufen. "Wir sind mit den Banken in engem Kontakt und beobachten die Situation sehr aufmerksam", sagte ein Sprecher zur "Wiener Zeitung".

Neben der RBI ist als weiteres heimisches Großinstitut die Bank Austria sowohl in der Ukraine als auch in Russland engagiert. Zusammen haben beide Banken in Russland eine Bilanzsumme von immerhin mehr als 34 Milliarden Euro, in der Ukraine sind es insgesamt gut acht Milliarden.

Vor allem für die RBI befürchten Analysten, dass nach dem Ukraine- nun auch das Russland-Geschäft massiv in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, falls die Situation eskaliert. Bis dato war Russland für die auf Osteuropa fokussierte Bank der Gewinnbringer schlechthin. So verdiente die RBI in den ersten drei Quartalen 2013 knapp 700 Millionen Euro, wobei Russland mit 507 Millionen den Löwenanteil beisteuerte.

Für die Bank Austria - sie ist im Konzern der italienischen Unicredit neben Österreich auch für Osteuropa zuständig - ist Russland zwar auch einer der erklärten Fokusmärkte. Aber insgesamt gelten ihre Gewinne aus der Ostregion als breiter diversifiziert als bei Raiffeisen.

"Beobachten sehr genau"

Die Erste Group hat in Russland hingegen kein Geschäft. Und in der Ukraine hat die Bank die dortige Tochter schon im Vorjahr verkauft. Derzeit betreibt sie in dem Land nur noch Restgeschäft.

Geht es nach den Analysten der Ratingagentur Moody’s, stellen bereits die Unsicherheiten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung der vor dem Staatsbankrott stehenden Ukraine für Bank Austria und RBI ein erhöhtes Risiko für Verluste und zusätzlichen Kapitalbedarf dar. Umso mehr gilt diese erst vor wenigen Tagen geäußerte Einschätzung auch für das Engagement der beiden Institute in Russland, sofern der aktuelle Konflikt auf die Spitze getrieben werden sollte. Im Fall Russlands würden dann - ähnlich wie in der Ukraine - die Folgen massiver Kapitalabflüsse sowie eines Verfalls des Rubel-Kurses für tiefe Spuren in den Bilanzen von RBI und Bank Austria sorgen.

Jedenfalls war RBI-Chef Karl Sevelda am Montag um Beschwichtigung bemüht. "Wir beobachten die Situation sehr genau, glauben aber, dass die Krise diplomatisch gelöst werden kann", sagte er. "Um die Spannungen abzubauen und eine Eskalation zu verhindern, muss so schnell wie möglich ein politischer Dialog zwischen der neuen ukrainischen Regierung und Russland in Gang kommen." Die EU könne dabei eine Vermittlerrolle übernehmen, so Sevelda. "Aber es wäre naiv zu glauben, dass eine stabile Ukraine ohne Einbindung Russlands möglich ist. Russland benötigt eine glaubhafte Zusicherung, dass eine Hinwendung der Ukraine zu Europa nicht gegen seine Sicherheitsinteressen verstößt."

Indes meinte Wifo-Bankexperte Franz Hahn am Montag zur "Wiener Zeitung": "Russland kann kein Interesse an einer Eskalation haben - zu stark sind die Interessen seiner ökonomischen Eliten." Er rechnet allenfalls mit temporären und begrenzten Auswirkungen auf den Finanzsektor, bleibt es bei einem "kontrollierten Konflikt".

Laut Sevelda läuft der Bankbetrieb der Raiffeisen Bank Aval in der Ukraine unterdessen normal: "Alle unsere Filialen, auch unsere 32 Filialen auf der Krim, sind geöffnet. Es gibt keine Schlangen." Was den schon seit längerem geplanten Verkauf der Banktochter betrifft, so sei dieser im Moment wegen der Krise ausgesetzt, sagte Sevelda weiter. Von der Bank Austria gab es am Montag keine Stellungnahme, aus aktienrechtlichen Gründen laufe derzeit bis zur Veröffentlichung der Jahresbilanz 2013 eine Stillhalteperiode.