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Steirer für Gesamtschule

Von Brigitte Pechar

Politik

Karl bekommt Rückendeckung von Schützenhöfer und Wirtschaftsbund. | Wien. Ein "Gymnasium für alle" wurde 1848 vom damaligen Unterstaatssekretär Ernst Maria Johann Karl Freiherr von Feuchtersleben, einem Reformer des österreichischen Schulwesens, gefordert. 162 Jahre später eckt Wissenschaftsministerin Beatrix Karl mit dieser Forderung in der ÖVP an.


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Freude über den Vorstoß von Karl gibt es nur in der SPÖ und auch bei den Kärntner Freiheitlichen. In der ÖVP kommt - abgesehen vom Wirtschaftsbund - nur aus der Steiermark Rückendeckung. Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer meinte: "Denken wird wohl noch erlaubt sein." Die Verkehrs- und ehemalige Bildungslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder versteht die Aufregung nicht. Sie spreche sich nach wie vor für eine Gesamtschule der 5- bis 15-Jährigen aus.

Schützenhöfer erklärte, dass die Schule momentan im Umbruch sei und es um die "beste Lösung für die Schüler gehe". Um das zu erreichen, seien alle gefordert. Edlinger-Ploder bezeichnete die innerparteiliche Diskussion als "normal", da es eben "mehrere Stoßrichtungen" zu dem Thema gebe. Am Ende soll jedenfalls ein gemeinsames Papier der ÖVP vorliegen.

Kann am Ende eine Gesamtschule stehen? Bernd Schilcher, ehemaliger steirischer ÖVP-Politiker und Leiter der Expertenkommission im Unterrichtsministerium, sagte dazu zur "Wiener Zeitung": "Das hängt davon ab, ob sich der Bundesparteiobmann die Zeit nimmt und die Argumente anhört." Es müsse ja Gründe geben, warum Deutschland und Österreich die einzigen Länder der Welt sind, die die Kinder mit zehn Jahren trennen.

Schilcher rät seiner Partei, die Schule endlich einmal inhaltlich zu diskutieren und nicht nur Befindlichkeiten auszutauschen. Verwundert zeigte sich Schilcher darüber, dass gerade der ÖAAB als Arbeitnehmerflügel mit dem Vorschlag, in der Hauptschule Audits einzuführen und damit den Übertritt in eine AHS zu ermöglichen, "den verzweifelten Versuch unternimmt, ein falsches System zu prolongieren". Das bedeute nämlich, dass der Aufstieg von vielen verhindert werde.

Schilcher hat auch ein ökonomisches Argument: Wenn Kinder bis zum 14. Lebensjahr ihre Talente und Interessen herausfinden können, fallen die vielen Schulwechsel danach weg: Jeder dritte Schüler ab dem 14. Lebensjahr wechselt nämlich mindestens ein Mal die Schule. Das koste 200 Millionen Euro pro Jahr.