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"Stell dir diese Freiheit vor"

Wirtschaft

Lob für autonome Gemeinde Güssing.
| Schwarzenegger: "Es gibt immer wen, der verhindern will."


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Wien. "Kannst du dir diese Art von Freiheit vorstellen?"
Als Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, Stargast des Vienna Energy Forum, am Podium von Freiheit und Unabhängigkeit gesprochen hat, bezog er sich weder auf seinen Rückzug aus der Politik noch auf die Tatsache, dass seine Ehefrau ausgezogen ist. Sondern er meinte die südburgenländische Gemeinde Güssing. Vor 15 Jahren wurde beschlossen, Energieautonomie zu erreichen – eine Tatsache, die durch den Einsatz erneuerbarer Energien erreicht wurde.
Die von Abwanderung bedrohte Region entwickelte sich zu einer Gegend mit boomender Wirtschaft. Und "von verrückten Diktatoren" ist man nicht mehr länger abhängig. "Wir sollten alle so werden wie Güssing", rief Schwarzenegger die Teilnehmer der internationalen Konferenz in der Hofburg auf. Oder so wie der US-Bundesstaat Kalifornien.

"Ich gebe gern mit Kalifornien an", meinte Schwarzenegger, er sei stolz, dort die Wende zur grünen Energie eingeleitet zu haben. Heute sei Kalifornien nach Deutschland und Japan der drittgrößte Produzent von Sonnenstrom, und der Wirtschaft gehe es besser denn je – der Sektor der erneuerbaren Energie habe zehnmal mehr Jobs geschaffen als jede andere Branche. Das konservative "Wall Street Journal" hätte die Entwicklung sogar den "neuen kalifornischen Goldrausch" genannt, erzählte Schwarzenegger. Dabei hätte es anfangs genug Menschen gegeben, die gesagt haben, dass es nicht schaffbar sei. "Das Argument der Gegner war immer, dass man seinen Job verliert und dass die Wirtschaft den Bach runter geht, wenn man erneuerbare Energie umsetzt."

Als eine Volksbefragung in die Wege geleitet wurde, habe Schwarzenegger und sein Team verschiedene Werbesujets für grüne Energie getestet, um die Meinung in der Bevölkerung zu gewinnen. "Dass Polarkappen schmelzen, zieht nicht bei Menschen, die noch nie eine Polarkappe gesehen haben." Vom Steigen des Meeresspiegels sind bisher nur kleine Inseln merkbar betroffen. Auch wenn Klimaveränderungen und Abhängigkeit von den ölexportierenden Staaten Tatsachen sind, "mussten wir Argumente finden, die zu den Menschen sprechen".

40 Prozent der Todesfälle
In Kalifornien war es schließlich über die Gesundheit: Denn 40 Prozent der weltweiten Todesfälle hängen mit der Verschmutzung von Wasser, Erde und Luft zusammen. "Das bedeutet mehr Tote, als wenn man die Toten von Autounfällen und dem Irak- sowie dem Afghanistankrieg zusammenzählt", erläuterte Schwarzenegger. Dank dieser Werbung haben schließlich 61 Prozent der Bevölkerung für den Ausbau der erneuerbaren Energie gestimmt. "Man kann das beste Produkt der Welt haben, aber wenn du es nicht richtig verkaufst, dann wird es niemand kaufen."

Als Schwarzenegger den Saal verließ, rannte ihm eine menschliche Stampede nach – der Raum leerte sich in Sekunden. Eine Konferenzteilnehmerin kommentierte trocken: "Da geht der Führer der Welt." (wak)