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Sternschnuppen und "Blue Moon" - zwei Vollmonde im August 2012!

Von Hermann Mucke

Wissen

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Sonnenchronik: Die Dauer der lichten Tage sinkt nun immer stärker, im August vom 1. mit 15 Stunden bis zum 31. auf 13 Stunden 26 Minuten. Ab Sonnenuntergang verkürzt sich die bürgerliche Dämmerung von 37 auf 33 Minuten; mit ihrem Ende werden die ersten Sterne sichtbar und dann steht die Sonne 6 Grade unter dem mathematischen Horizont. Die nautische Dämmerung endet bei 12 Graden Sonnentiefe - dann ist es fast volle Nacht; sie verkürzt sich von 1 Stunde 24 am 1. auf 1 Stunde 12 Minuten am 31.

Am 22. um 19.07 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit zieht im Freiluftplanetarium Sterngarten die helle Schattenmitte der Lochscheibe am Nordpfeiler über die Querspange am Nordweg mit dem Datum 23. Aug. und dem Jungfrausymbol; der Unterschied im Datum zeigt den Fehler unseres gregorianischen Kalenders an, den die Schaltregel alle vier Jahre im Mittel fast ganz beseitigt.

Mondchronik: Am Abend des 1. ist der Mond für das freie Auge schon ganz rund; er wird 8 Stunden später am 2. im Wassermann zum Vollmond. Die perspektivische Schwankung der Mondkugel, die Libration, lässt uns am 4. den Mondsüdpol randfern und den Fleck Grimaldi so nah als möglich am linken Mondrand sehen. Das Letzte Viertel tritt am 9. im Widder ein und am 10. durchläuft der Mond im Stier seine Erdferne. Am 11. und 12. finden wir den Mond unweit Jupiter und tags darauf zieht er in höchster Himmelsbahn, immer noch im Stier, vom Auf- bis zum Untergang. Bei der Venus steht er am 13. und 14. und einen Tag später sorgt die Libration für einen randfernen Mondnordpol. Am 16. sehen wir die feine Altlichtsichel nahe Merkur tief in der ostnordöstlichen Morgendämmerung als letzte sichtbare Mondphase vor dem Neumond am 17. Als zarte Neulichtsichel erscheint der Mond am 19. wieder tief in der Abenddämmerung nahe Westen. An dem neben Mars stehenden Saturn geht er am 21. und 22. vorbei. In Erdnähe steht er am 23. in der Waage und erreicht das Erste Viertel am 24. im Skorpion. Am 25. zieht er im Schlangenträger in niedrigster Bahn vom Aufgang bis zum Untergang über den Himmel.

Bequem können wir mit Fernglas die Mondlandschaften betrachten. Im Planetarium wird uns eine besondere Annehmlichkeit geboten: Wir können das Fernglas auf der Horizontbrüstung aufstützen! Das Sternenboten-Heft 4/2003 mit Beschreibung der Mondlandschaften und Mondkarte ist gratis auf Wunsch vom Astronomischen Büro erhältlich. Am 31. lässt uns die Libration nochmals den Südpol randfern und den Fleck Grimaldi randnah sehen. Obendrein gibt es eine weitere Besonderheit: einen zweiten Vollmond im August! Im englischen Sprachgebrauch wird dieser "Blue Moon" genannt.

Planetenlauf: Merkur zeigt sich ab 11. bis 31. tief in der Morgendämmerung nahe Ostnordosten und wechselt vom Krebs in den Löwen. Günstigst ist er um den 20. zu erspähen. Venus steht morgens zwischen Ostnordosten und Osten im Stier niedrig, steigt aber später höher. Vom 13. bis 15. steht Mars bei Saturn; wir finden sie abends tief unweit Westsüdwesten in der Jungfrau. Während Mars noch lange niedrig sichtbar bleibt, verschwindet Saturn im späteren September in der Dämmerung. Jupiter im Stier leuchtet morgens hoch von Osten bis fast zum Südosten. Seine vier großen Monde sind allmorgendlich in anderer Stellung im Fernglas zu sehen. Der Österreichische Himmelskalender des Astronomischen Büros bietet ihre Erscheinungen sowie in Grafiken ihrer Stellungen neben Jupiter. Achtung, diese gelten für das umkehrende Fernrohr - für das Fernglas müssen wir den Kalender einfach um 180° drehen. An diesen vier Jupitermonden ist ihre Umlaufbewegung schön zu verfolgen - für einen Umlauf brauchen sie etwa zwischen 2 bis 17 Tage.

Perseiden-Meteore: Der Sternschnuppenstrom der Perseiden lässt uns zwischen Mitternacht bis in die beginnende Morgendämmerung vom 11. bis 13. rund 80 Sternschnuppen pro Stunde sehen. Dazu ist klarer, dunkler Himmel nötig, es dürfen also kein Dunst oder künstliche Lichtquellen stören. Die Angabe bezieht sich auf die ganze Himmelshälfte; ist man allein, sollte man vor allem zwischen 3 und 5 Uhr auf den hohen Osthimmel achten. Besonders bietet sich dazu das Freiluftplanetarium an. Die Erde durchfliegt die Raumbahn des Kometen 109P Swift-Tuttle und fängt die vom Kometen stammenden Mikroteilchen, aber auch größere, auf. Sie verglühen im Zusammenstoß mit der Erde.

Sternenbilderhimmel: Die Karte gilt für den 7. August um 21.45 Uhr und für den 21. um 20.50 Uhr. M und S bedeuten Mars und Saturn. Abgesehen von den beiden Planeten zeigt die Karte den gleichen Himmelsanblick wie die im Juli-Beitrag, aber zu anderen Zeiten: Bootes oder Bärenhüter hoch im Westen und Großes Norddreieck hoch nahe Süden. Beiderseits des Südens finden wir Schütze und Skorpion, zwischen denen das Zentrum der Milchstraße liegt, deren Verlauf der strichlierte Kreisbogen andeutet. Vom niedrigen Nordnordosten bis höher in den Osten reihen sich Perseus, Andromeda, Pegasus. Ihre Hauptsterne bilden die "Fünfsternreihe". Sie geht liegend auf und stehend unter.

Freiluftplanetarium: Samstag, 11., 21.30 Uhr Sterngarten, Wien 23 bei der Wotruba-Kirche: Sternabend - Die schönsten Sternbilder des Hochsommers, die Kassiopeia-Uhr und Interessantes zum Meteorstrom der Perseiden, mit Begleittext. Der Abend findet nur bei Schönwetter statt.

www.astronomisches-buero-wien.or.at/ Tel. 01/889 35 41