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Neue Kriegsschiffe und Online-Gefechte: | Der Konflikt Japan-China spitzt sich zu.
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Tokio/Peking. Artikel neun der pazifistischen Verfassung Japans verbietet dem Land den "Krieg als souveränes Recht der Nation". Untersagt wird auch die atomare Bewaffnung. Nicht zuletzt deshalb wurden Vizeregierungschef Taro Aso und die vertretenen Militärs bei der offiziellen Präsentation des neuen Helikopterträgers "Izumo" nicht müde zu betonen, das Schiff diene rein defensiven Zwecken und würde für Rettungseinsätze benötigt. 14 Hubschrauber sollen mit dem 248 Meter langen und 1,2 Milliarden Dollar teuren Schiff transportiert werden, bei dem es sich technisch gesehen um einen Zerstörer handelt. Theoretisch wäre es auch lange genug, um künftig als Startrampe für Kampfjets zum Einsatz zu kommen. Die Reaktion aus Peking ließ nicht lange auf sich warten: "Wir sind besorgt über den ständigen Ausbau der militärischen Ausrüstung Japans", teilte das chinesische Verteidigungsministerium mit und die Tageszeitung "China Daily" befürchtet, der Stapellauf könnte "einen Rüstungswettlauf auslösen".
Tatsächlich ist dieser bereits im Gange, angefeuert vor allem durch den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel sowie den Disput um die auf Japanisch Senkaku und auf Chinesisch Diaoyu genannte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Im September 2012 hatte Japan drei der Inseln, die von China sowie Taiwan beansprucht werden, gekauft; die Beziehungen gelten seitdem als angespannt. Zuletzt hatte sich der Streit wieder zugespitzt, als Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping dem japanischen Wunsch nach einem Gipfeltreffen mit Ministerpräsident Shinzo Abe eine deutliche Abfuhr erteilte. Dieser sieht sich seit den gewonnenen Oberhauswahlen im Juli in seinem Vorhaben bestärkt, die pazifistische Verfassung zu revidieren und die Verteidigungskräfte zu einer "normalen" Streitkraft aufzuwerten. Für Irritation sorgte daher die Tatsache, dass die Vorstellung der "Izumo" zeitlich mit dem Gedenktag für den Atombombenabwurf auf Hiroshima vor 68 Jahren zusammenfiel.
Sorge um Malakka-Straße
Auch China rüstet auf, der Militäretat ist mit 90 Milliarden Euro zum weltweit zweithöchsten nach den USA angewachsen. Die Indienststellung des ersten Flugzeugträgers "Liaoning" galt als Symbol für den Ausbau und die Modernisierung von Marine und Luftwaffe. China will dadurch vor allem in der Lage sein, den USA den Zugang zu den Seegebieten vor seiner Küste zu verwehren, denn das Gelbe Meer, das Ostchinesische und das Südchinesische Meer werden als "nationale Kerninteressen" angesehen - und diese stehen nicht zur Diskussion.
Das provoziert jedoch nicht nur Konflikte mit Japan, sondern auch mit Vietnam, den Philippinen, Malaysia und Indonesien, die ihrerseits mit Aufrüstung reagieren. Die Philippinen planen etwa, größere Einheiten ihrer Streitkräfte in eine frühere US-Marinebasis im Norden Manilas zu verlegen, um im Falle eines Konflikts schneller in die Südchinesische See vorstoßen zu können. Im Indischen Ozean rüstet zudem Chinas Rivale Indien seine Marine ziemlich lautlos auf, weshalb die Region bereits als nächster Schauplatz globaler Machtkämpfe gehandelt wird. Peking fürchtet um die Nutzung der Malakka-Straße, die nicht nur den Pazifischen mit dem Indischen Ozean verbindet, sondern auch eine der wichtigsten Routen der globalen Handelsschifffahrt darstellt.
Um zukünftige Soldaten für den bewaffneten Kampf zu begeistern, geht Chinas Militär daher neue Wege: Seit dem 1. August, dem 86. Gründungstag der Volksbefreiungsarmee, steht das Online-Computerspiel "Glorreiche Mission" zum Download bereit. Das Spiel wurde vom Militärkommando Nanjing und der Firma Giant Interactive entwickelt. Laut einer Presseaussendung kämpfen die Spieler "gemeinsam mit den bewaffneten Kräften der chinesischen Armee und verwenden die modernsten Waffen, um den Japanern zu sagen, dass sie das gestohlene Territorium zurückgeben müssen." Nach drei Stunden hatte das Spiel bereits 2,1 Millionen User, die sich als "neue Soldaten" angemeldet hatten. Doch während im Internet noch virtuelle Kämpfe gefochten werden, wird im ostchinesischen Dalian schon an einem riesigen Schiff geschraubt, dessen Katapultvorrichtungen bereits deutlich erkennbar sind. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Chinas zweiten Flugzeugträger.
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