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Praktika und Auslandsaufenthalte werden gefordert. | Auch Bachelor hat Chancen. | Wien. Wenn es einen krisensicheren Beruf gibt, dann ist es der des Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers. Das sagten jedenfalls Branchenvertreter unisono im Rahmen der Diskussion "Steuerberatung: Karrierechancen in Zeiten der Wirtschaftskrise" an der Wirtschaftsuniversität Wien. Wenn es in Unternehmen oder Familien finanziell drunter und drüber geht, können oft nur Fachleute helfen.
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"Statt für Unternehmenskäufe nützen Unternehmen die Krise vor allem, um sich neu aufzustellen und zu reorganisieren", sagt Franz Haimerl von LeitnerLeitner. Für jede Änderung im Unternehmen brauche es geeignete Berater. Insgesamt sei man in diesem Jahr um 15 Prozent gewachsen und habe 20 Mitarbeiter angestellt, freut sich Haimerl. Vor allem klassische Steuerberatung, Lohnverrechnung, aber auch das Finanzstrafrecht, insbesondere bei Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung aufgrund der Liechtenstein-Affäre, waren Wachstumstreiber.
Natürlich profitiere man vom Gesetz. Schließlich könne niemand sagen "diese Jahr fülle ich keine Steuererklärung aus oder erstelle keine Unternehmensbilanz", merkt sein Kollege Christian Ludwig von BDO Wien an.
Die Krise führt dazu, dass die Mandanten stärker bereit sind zu wechseln, wenn Leistung und Preis nicht passen. Der Honorardruck habe sich in den vergangenen Monaten verschärft, sagt Bernd Hofmann von PriceWaterhouseCoopers.
Praxistest für neues Studium steht noch aus
Während es in der Industrie Einbrüche von 20 bis 40 Prozent gab, spüren viele Klein- und Mittelbetriebe die Krise kaum, berichtet Klaus Hübner, Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder. Trotzdem dämpft Hübner die Erwartungen für 2010. "Die Branche wird eher stagnieren." Die Zukunft sieht Hübner aber rosig: "Die Staatsschulden sind derart gewachsen, dass man um eine Steuererhöhung nicht herumkommen wird." Davon würden in erster Linie die Steuerberater profitieren.
War es vor zwei Jahren schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden, ging der Personalbedarf in der Krise zurück, sagt Andreas Stefaner von Ernst & Young. Die Kanzleien schauen sich die Bewerber nun genauer an und können selektieren. Besonders wichtig sind Zusatzqualifikationen wie Auslandsaufenthalte und Praktika.
Voraussetzung sei fließendes Wirtschaftsenglisch, da in vielen Kanzleien zu mehr als 50 Prozent auf Englisch kommuniziert wird. Wer gut ist, wird mühelos einen Job finden, macht Stefaner den anwesenden Studenten Mut. Am wichtigsten sei aber Spaß an Steuern und Neugierde.
Das neue Studium Wirtschaftsrecht begrüßen die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Da es aber noch kaum Absolventen gibt, muss es den Praxistest erst noch bestehen. In Bereichen wie Wirtschaftsprüfung genügt laut Diskutanten ein Bachelor-Abschluss, dennoch sei der Master zu bevorzugen: "Je höher die Qualifikation, umso besser."
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