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Stiefkinder der Aufsichtsdebatte

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Experten warnen davor, Versicherungen gleich zu regulieren wie Banken. | Mehr Sicherheit bringt höhere Kosten für Kunden. | Wien. So gut wie immer, wenn in der Öffentlichkeit über Finanzmarktregulierung debattiert wird, ist ausschließlich von Banken die Rede. Dabei laufen auch in Bezug auf die Versicherungswirtschaft intensive Bemühungen, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen. Hochrangige Experten warnen allerdings davor, Versicherungen und Banken ungeprüft über einen Kamm zu scheren.


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"Wir wollen vermeiden, dass Bank-Regeln einfach auf Versicherungen umgelegt werden", erklärt Peter Braumüller, Bereichsleiter für Versicherungs- und Pensionskassenaufsicht in der Österreichischen Finanzmarktaufsicht und Vorsitzender des Lenkungsgremiums der Internationalen Vereinigung der Versicherungsaufseher. Dies gelte unter anderem für Ideen, europaweit eine Art Einlagensicherung für Versicherungsgesellschaften einzuführen. Zwar gäbe es dergleichen in einigen Ländern, hier seien jedoch viele Aspekte zu beachten, so Braumüller am Rande der Jahrestagung der Internationalen Aktuarsvereinigung IAA am Dienstag zur "Wiener Zeitung".

Obwohl Versicherungen weniger stark von der Finanzkrise betroffen gewesen seien als Banken, wäre es auch hier entscheidend, richtig mit Systemrisiken umzugehen, meint IAA-Präsident Paul Thornton. So sei es für die Versicherungsindustrie ebenfalls notwendig, Reserven zu bilden.

Passende Bilanzregeln

Für Braumüller geht es nicht nur um Eigenkapital, sondern auch um passende Bilanzierungsregeln. Diese sollten Versicherungen erlauben, langfristige Veranlagungen auch in schwierigeren Zeiten zu halten. Außerdem bemühe man sich hier, eine Annäherung mit den USA herzustellen.

Sowohl Thornton als auch Braumüller meinen, dass mehr Sicherheit ihren Preis hat. Mit höheren Kosten oder geringeren Leistungen für die Kunden sei zu rechnen, so Thornton.