)
Obwohl beim Volk unbeliebt, könnte Pervez Musharrafs Partei ein gutes Ergebnis erzielen. | Welle der Sympathie für die Volkspartei von Benazir Bhutto. | Islamabad. Mateen Khan handelt mit Farbe. Doch in diesen Tagen verkauft er Wählerstimmen. "Niemand kann hier gewinnen, ohne ihn", sagt sein 16-jähriger Neffe gelassen. Er deutet auf die engen Gassen mit Betriebe und Geschäfte im Viertel hinter dem Firdous-Market in Lahore. Wieviele Stimmen dem über 80-jährigen Farbenfabrikanten hier gehören, kann er nur schätzen. "Drei- bis viertausend, vielleicht".
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 17 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
#Gewählt wird nach Opportunität
Genug, um in Pakistan über einen Parlamentssitz zu entscheiden. Und Männer wie Mateen Khan sind ein Schlüssel zum Erfolg. In den armen, ländlichen Gebieten Pakistans bestimmen immer noch mächtige Feudalherren, für wen die Menschen in den Dörfern stimmen. Doch auch in den Städten sind es Männer wie Mateen, die großen Einfluss genießen, weil sie eine ganze Bank von Wählern hinter sich haben. In Pakistan wird nicht nach politischer Überzeugung gewählt, sondern nach Opportunität. "Wählbarkeit", ist ein wichtiges Kriterium. Und wählbar ist derjenige Kandidat, der den Wahlkreis vermutlich gewinnen wird.
"Mateen Saaqhib", wie ihn der Neffe ehrfurchtsvoll in Paschtunisch anspricht, ist eine Respektsperson im Viertel. Er ist über 80 Jahre, doch seine makellose Haut und seine kleinen, flinken Augen lassen ihn jünger erscheinen. Mit seinem akkurat geschnittenen weißen Bart und der blütenweißen Kappe auf dem Kopf wirkt er eindrucksvoll. Sein Büro ist spartanisch. Auf dem schmucklosen Schreibtisch liegen eine alte Brille mit losem Glas, zwei Rollen rosa Klopapier, ein verbogenes Blechtablett und ein kirschrotes Tastentelefon. Schreiben kann der Saaqhib nicht, "nur unterschreiben", sagt er bestimmt. Auch Englisch spricht er nicht. Das macht nichts. In seinem Büro empfängt er täglich Bittsteller, Hilfesuchende, Ratlose und Verzweifelte.
"Das ist hier eine arme Gegend", sagt Mateen Khan. "Die Leute kommen zu mir mit ihren Problemen. Und meist kann ich sie in vier, fünf Stunden lösen". Es geht um Wasserversorgung, Straßen, Arbeit, Schulen für die Kinder und auch um Gesundheit. "Wenn ein staatliches Krankenhaus die Menschen nicht richtig behandelt, dann kümmere ich mich. Ich gehe zum Bürgermeister, zu den Politikern und spreche mit ihnen." Manchmal macht sich der alte Herr auch noch auf den Weg ins Gefängnis, um jemanden aus der Haft freizubekommen.
Der Farbenfabrikant unterstützt die unbeliebte PML-Q, die Partei, die Präsident Pervez Musharraf nahesteht. "Sie wollen den Armen helfen", sagt Khan. In den fünf Jahren ihrer Regierung habe sie viel getan. Die hohen Lebensmittelpreise, die stundenlangen Stromausfälle, ob die Wähler hier nicht an der Regierung zweifeln würden? "Das ist doch erst so schlimm, seit wir die Übergangsregierung haben", sagt Mateen Saaqhib geschmeidig. Die PML-Q, die Königspartei, wie sie auch genannt wird, "die Q kann nichts dafür".
Musharraf-Partei liegt in Umfragen bei 14 Prozent
In Umfragen liegt "die Q" abgeschlagen bei kaum 14 Prozent. Die PPP, die Partei der ermordeten Politikerin Benazir Bhutto, schwebt hingegen auf einer Welle der Sympathie. Und auch die PML-N, die Partei von Ex-Premierminister Nawaz Sharif, liegt im Rennen vor der Regierungspartei. Doch das ficht Mateen nicht an. In Pakistan wird um Sitze gekämpft, nicht um Prozente. Und wenn der Q-Kandidat im Wahlkreis nur den Weg in das Regional-Parlament findet, wird Mateen zufrieden sein. Das sollte eigentlich klappen.
Im Wahlkreis PP-152 tritt der 31-jährige Sohn des früheren Ministerpräsidenten von Punjab, Moonis Elahi, an. Es war schon der Wahlkreis seines Großvaters. Und Elahi hat einiges Geld locker gemacht in seinen Wahlkreis. Herrn Khan hat ein kleines Wahlkampfbüro bekommen. Und nach der Wahl kann er auf Dividende für seine treue Wählerbank pochen.
Khan hat nicht immer Stimmen an die Q verkauft. "Früher habe ich die PPP unterstützt", als Benazir Premierministerin war. Danach war ich für Nawaz Sharif, danach war ich für Jamaat-e-Islami. Aber nun bin ich für Q". Khan weiß, wie in Pakistan gewählt wird.
Menschen haben Angst, zur Wahl zu gehen
Nur wenige Kilometer entfernt von der Farbenfabrik auf einem anderen Markt in Lahore sitzt Siddique Butt in seinem kaum acht Quadratmeter großen Laden. Ein Bild der verstorbenen Bhutto ziert die Auslagen. Butt ärgert sich. "Die Menschen haben Angst, abstimmen zu gehen", sagt er. "Jeden Tag sinkt die Zahl derer, die zur Wahl gehen wollen." Ohnehin ist in Pakistan die Wahlbeteiligung niedrig. Nur etwa 50 Prozent der Wahlberechtigten üben ihr Stimmrecht aus, schätzt der Asienexperte Karl Fischer von der Hanns-Seidel-Stiftung in Islamabad. Am kommenden Montag werden es vermutlich noch weniger sein. Einige Hundert Menschen sind vor den Wahlen getötet worden. Viele Menschen werden am Wahltag lieber zu Hause bleiben.
"Es ist besser, mit SMS und E-Mail Wahlkampf zu machen", sagt Butt. Und genau das tut er. Mit Handy und Computer wirbt der 51-Jährige für die PPP. Einige der 700 Händler im Markt habe er bereits überzeugt, meint er stolz. "Früher war ich für Nawaz Sharif", sagt der Computerhändler. "Doch als Benazir im Oktober zurückkam, hatte ich einen Traum. Die Armee war gegen Bhutto und wollte sie töten". Nun ist Butt für Bhutto. Den Witwer von Bhutto, Asif Ali Zardari, der de facto die Partei leitet, kann er nicht leiden. Zardari hängt er Ruf an, sich während der beiden Amtszeiten seiner Frau als Premierministerin massiv auf Staatskosten bereichert zu haben. Bewiesen wurde nichts, doch die Vorbehalte gegen ihn bestehen weiter.
Tote bestreiten den Wahlkampf der PPP
Tote bestreiten daher den Wahlkampf für die PPP. Von allen Plakaten winkt die verstorbene Benazir freudig wie aus dem Jenseits herab. Daneben steht oft ihr Vater, der schon 1979 hingerichtet wurde. Nur der wirkliche Kopf der Partei ist nicht zu entdecken. Zardari scheint in der Bevölkerungen und in der eigenen Partei zu unbeliebt für ein eigenes Konterfei.
"Die Wahlen sind schon gefälscht", schimpft Herr Butt. Gerade habe die PPP wieder ein Phantom-Wahllokale in Lahore mit 3900 Geisterwähler ausfindig gemacht. "Die Wahlmanipulation ist bereits geschehen", sagte Karl Fischer von der Seidel-Stiftung. "Etwa 17 Millionen Wähler sind nicht auf der Liste und über neun Millionen Namen erscheinen doppelt." Vielleicht kann die Q-Liga doch noch gewinnen.
)
)
)
)