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Stimmung in der OMV am Gefrierpunkt

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Gerüchte verdichten sich: OMV-Chef Gerhard Roiss soll das Unternehmen vorzeitig verlassen.


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Wien. Die Gerüchte über einen bevorstehenden Paukenschlag im börsenotierten Energiekonzern OMV verdichten sich: Die Verträge von OMV-Chef Gerhard Roiss und von OMV-Vorstand Hans-Peter Floren sollen vorzeitig aufgelöst werden. Das habe das Aufsichtsratspräsidium der OMV in einer Sitzung am Mittwoch beschlossen, berichtete "Die Presse" online am Donnerstag unter Berufung auf "Kreise des Kontrollgremiums". Seitens der OMV hieß es - ebenso wie beim staatlichen OMV-Großaktionär ÖIAG: "Kein Kommentar."

Roiss selbst hatte am Donnerstagvormittag noch an der Pressekonferenz zur von der OMV maßgeblich gesponserten neuen Ausstellung "Erdöl und Erdgas" im Wiener Technischen Museum teilgenommen, zu Mittag aber seine vorgesehene Teilnahme an der offiziellen Eröffnungsgala am Abend abgesagt - "überraschend", wie es seitens der Museumsleitung hieß.

Die Verträge von Roiss sowie auch von Gas-Vorstand Hans-Peter Floren sollten vor ihrem regulären Ende im ersten Quartal 2017 aufgelöst werden, hieß es in dem "Presse"-Bericht. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Präsidium habe am Mittwoch zwar verschiedene Szenarien diskutiert - eine vorzeitige Ablöse von Roiss sei aber nicht darunter gewesen. "Es sind keine Entscheidungen getroffen worden", sagte der Insider. Der sechsköpfige Ausschuss bereitet wichtige Entscheidungen für den Aufsichtsrat vor. Die nächste Sitzung des gesamten Kontrollgremiums ist für kommenden Dienstag, den 14. Oktober, geplant.

"Die Presse" begründete die Pläne für ein vorzeitiges Ausscheiden des OMV-Chefs mit "wirtschaftlichen und atmosphärischen Problemen" in dem Öl- und Gaskonzern. Roiss habe sich im Hintergrund für eine Ablöse von Floren starkgemacht, der für das kriselnde Gasgeschäft zuständig ist. Offenbar hat die Stimmung im Konzern jetzt den Tiefpunkt erreicht. Aufsichtsratschef Rudolf Kemler habe daher bereits vor Wochen eine vorzeitige Auflösung des Vertrages von Roiss in Erwägung gezogen, berichtete das Blatt. Kemler ist Chef des staatlichen OMV-Großaktionärs ÖIAG, der 31,5 Prozent an dem Unternehmen hält.

Erst vor kurzem hatte die OMV angekündigt, dass der für die Öl- und Gasförderung zuständige Vorstand Jaap Huijskes den Konzern im ersten Halbjahr 2016 aus privaten Gründen verlasse. Der Rücktritt mehr als zwei Jahre vor dem Ende seines Vertrags kam für viele überraschend - zumal der gebürtige Niederländer auch als möglicher Nachfolger von
Roiss gehandelt worden war.

Roiss selbst soll Mitte August in einem Brief an Kemler die Aufspaltung des Gas&Power-Bereichs in zwei größere Sparten gefordert haben, um den - so die Mutmaßung in Medien - "ungeliebten" Gas-Vorstand Hans-Peter Floren zu "entmachten". "Es gibt keine Machtkämpfe um die OMV", ließ Kemler damals in einer Aussendung wissen - und dementierte auch die ihm nachgesagte Ambition, selbst OMV-Chef zu werden. Im OMV-Aufsichtsrat werde eine "konstruktive Diskussion rund um die zukünftige Ausrichtung" des Unternehmens geführt", so Kemler damals. "Der internationale Öl- und Gasmarkt befindet sich in einem massiven Veränderungsprozess, der die bisher gültigen Regeln des Marktes fundamental infrage stellt."

"Die Gaswelt ist im Umbruch", eine überarbeitete OMV-Gasstrategie solle daher in sechs bis zwölf Monaten fertig sein, hatte auch Roiss Ende August erklärt. Zuletzt hatte es in diesem Bereich Misserfolge gegeben - von der gescheiterten "Nabucco"-Gasleitung über den teils verlustträchtigen Gashandel (EconGas) bis hin zum aus verschiedenen Gründen unrealistisch gewordenen früheren Plan einer Kette von Gaskraftwerken von Bayern bis in die Türkei.

Ob die neue Strategie auch den Verkauf von Assets wie der Tochter EconGas bedeuten könne, wollte Roiss nach der Präsentation der wenig erfreulichen OMV-Halbjahresbilanz Mitte August nicht kommentieren. Erneut legte er aber ein Bekenntnis zur - von der EU-Kommission in Brüssel sehr kritisch gesehenen - Gas-Pipeline South Stream mit der russischen Gazprom ab.Seite 29