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Für kurze Zeit genoss der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn in Frankreich so etwas wie einen Märtyrer-Status. Nämlich nachdem bekannt wurde, dass selbst die Staatsanwaltschaft sein mutmaßliches Opfer für nicht glaubwürdig hält und sich mit dem Gedanken trägt, die Anklage fallen zu lassen.
Doch dann kam der zweite Vorwurf und der schadet Strauss-Kahn im Endeffekt wohl mehr als der erste. Dabei sind die Erfolgsaussichten der Publizistin Tristane Banon in diesem Fall eher gering. Acht Jahre lang hat Banon auf eine Klage verzichtet. "In solchen Angelegenheiten steht ein Wort gegen das andere", begründete sie die Zurückhaltung mit den geringen Erfolgschancen. An denen hat sich aber bis heute nichts geändert.
Geändert hat sich lediglich Strauss-Kahns Verwundbarkeit. Die zweite Anklage wegen eines Sexualdelikts hat unabhängig vom Ausgang des Prozesses sein Image als Opfer falscher Anklagen erlöschen lassen. Viel eher dominiert nun das Bild, wie er sich "wie ein brünftiger Schimpanse" (wie es Banon beschreibt) auf Frauen stürzt. Seine politischen Aussichten, zumal die, Präsidentschaftskandidat zu werden, sind praktisch auf null gesunken.
Der Schaden beschränkt sich aber nicht auf Strauss-Kahn, sondern betrifft die Sozialisten samt ihren Spitzenkandidaten für die Präsidentschaftswahl. Hatten sie zuvor noch hoffen können, mit dem Schwung der Vorwahlen ihre Ideen und Forderungen über die Medien an die Bevölkerung zu bringen, so interessiert die Journalisten nun nur noch eines: der Fall DSK, wie Dominique Strauss-Kahn auch genannt wird. Ob er freigesprochen wird, ob er doch noch kandidieren wird, wen er unterstützen wird, sollte er nicht antreten: Das sind die Themen, die behandelt werden. In knapp einer Woche endet die Bewerbungsfrist für die Sozialisten und niemand weiß so recht, wo wer steht.
Banon hat auch noch den aussichtsreichen Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur, Ex-Parteichef François Hollande, in den negativen Sog gerissen und erklärt, dieser habe von der versuchten Vergewaltigung gewusst. Immerhin: Für die Mitfavoritin um die Präsidentschaftskandidatur, Parteichefin Martine Aubry, könnte dies ein leichter Vorteil sein.
Die Sozialisten versuchen ihrerseits, die Konservativen in die Affäre zu verstricken. Von Beginn an haben viele Franzosen vermutet, dass Strauss-Kahn Opfer eines finsteren Komplotts geworden sei. Mit Andeutungen und Unterstellungen legen einige Politiker nun die Spur der Verschwörung ins Innenministerium und den Elysée-Palast.
Einen heimlichen Gewinner dieser Schlammschlacht könnte es geben. Während sich die Großparteien zerfleischen, wartet die umfragenstarke rechts-extreme Marine LePen von der Front National die Ereignisse unbeschadet ab.
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