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Streifzug durch die Wiener Lokalszene, in der sich (nicht nur) Studierende bewegen

Von Matthias G. Bernold

Wissen

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Studentenleben ist Leben voller Widersprüche. In keiner anderen Phase des Lebens hat man so viel Zeit, Geld auszugeben, das man (in der Regel) nicht hat. Umso wichtiger ist es daher zu wissen, wo man mit minimalen Mitteln ein Maximum an Gegenleistung lukrieren kann. In diesem Sinne sieht sich die nun folgende Aufzählung nicht nur als Szeneguide im herkömmlichen Sinn, sondern vielmehr auch als kleine Anlageberatung. Denn: nur wer im richtigen Lokal investiert, hat die Sicherheit nach Verlassen der Gaststätte gesättigt und durstlos da zu stehen. Glücklicherweise ist Ausgehen und Anessen in Wien auch für den Besitzer des schmaleren Portemonnaies möglich und auch ratsam.

Cafés und Orte der Nahrungsaufnahme

Zwischen alter Universität und dem NIG liegt das Café Votiv. In den Öffnungszeiten ganz auf die Unis abgestimmt findet man hier bei relativ moderaten Preisen eine recht kommode Bleibe, um zwischen zwei Vorlesungen ein wenig auszuruhen oder die jüngste Eroberung aus der Uni-Bibliothek ein wenig näher kennen zu lernen. Café Votiv, Reichsratsstraße 17, Wien 1

Wer es gerne trendy hat und sich unter schönen Leuten am wohlsten fühlt, wer noch dazu Kürbiskernöl mag und ein bißchen mehr Geld aufwenden will als in der Mensa, der möge den Sigmund Freud Park queren und sich im Café Stein niederlassen. Im nett designten Lokal kann man auch das Internet besurfen und sich an Bildern zeitgenössicher Künstler ergötzen. Café Stein, Währinger Straße 6-8, Wien 9

Wer die schönen Leute im Schanigarten vom "Stein" auch sehen will, aber nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, muß aber keinesfalls depressiv werden. Im vis-à-vis gelegenen Gastgarten der Aida im unübertroffenen braun/rosa 70er Jahre Design, läßt es sich bei bestem und äußerst preiswerten Kaffee (15,50 der kleine Braune) vortrefflich verweilen. Achtung: Wasser muß hier zum Kaffee extra geordert werden, außerdem beginnt nach einiger Zeit intensiven Sitzens an den Berührungsflächen von Plastiksessel und Gesäß, Schweißbildung einzusetzen. Konditorei Aida, Währinger Straße 2-4, Wien 9

Im traditionsreichen Café Museum treffen sich nicht nur Schachspieler. Auch viele Kunststudenten verlassen von Zeit zu Zeit ihre Ateliers in den umliegenden Kunsthochschulen um im "Museum" einen Kleinen Braunen zu schlürfen und/oder in den internationalen Zeitungen zu blättern. Die Schachspieler hat man schon vor Jahren in ein muffiges, fensterloses Hinterzimmer verbannt. Die Kunststudenten dürfen bis auf weiteres überall Platz nehmen. Café Museum, Friedrichstraße 6, Wien 1

Tunnel und Merkur. Beide Lokale sind in einer Hand. Beide sind in der Florianigasse angesiedelt. In beiden sind Speisenangebot und Ambiente ähnlich. Was vor allem hervorsticht ist der Preis: Ein arabisches, spanisches, gesundes oder kontinentales Frühstück kann man hier schon für 29,- einnehmen. Und das bei maximaler Portionsgröße. Fazit: Billiger ist´s nicht mal daheim. Tunnel, Florianigasse 39 und Merkur, Florianigasse 18, Wien 8

Freunde des Blunzengröschtls können aufatmen. Im Centimeter kann man für knapp 50 Schilling riesige Mengen deftiger Magenfüller in sich aufnehmen. Im Bierlokal stehen neben dem empfehlenswerten Gericht mit der Blutwurst, auch noch Schinkenfleckerl, Holzfällernockerln und dergleichen mehr auf der Speisekarte. Centimeter, Lenaugasse 11, Wien 8

Natürlich bietet auch der Erste Bezirk einiges. Abseits von den oft etwas touristischen Lokalen des Bermuda-Dreiecks, ist vor allem das Kolar zu erwähnen. Versteckt in der wuzikleinen Kleeblattgasse, wartet man hier mit frisch gezapftem Bier - günstig bei Konsumation als Maß - und äußerst schmackhaften Fladen vom Holzofengrill auf. Schnell trinken, damit das Bier nicht warm wird! Kolar, Kleeblattgasse 5, Wien 1

Auch sehr nett: Aera mit den großen Fenstern. Oben kann man coole Musik hören und sich allerhand lukullischen Genüssen hingeben (besonders die Nudelgerichte in der Salatschüssel sind aufgrund der Portionsgröße ein Hit). Unten im Keller finden Veranstaltungen und oftmals auch Fußball-Live-Übertragungen statt. Oléoleoleolé. Aera, Gonzagagasse 11, Wien 1

Schlupflöcher für Nachtschwärmer und Tanzpaläste

Eine Minute vom alten AKH entfernt finden wir The Sly & Arny. In der stylishen Bar werden exquisit gemixte Cocktails sowie feine Salate und Pizzas gereicht. Preiswert, Super-Service, schöne Leute. Winziges Minuspunkterl: der Hang des Kochs zur Balsamico-Überdosierung. The Sly & Arny, Lackierergasse 5, Wien 9

Nett ausgehen kann man auch im siebten Bezirk. Rund um Spittelberg und Burggasse lässt sich eine Vielzahl sympathischer Einkehrstätten ausmachen. Die eine oder andere sei herausgegriffen: In der Burggasse liegt Das Möbel. Besonderes Feature dieses von Studenten und allerhand alternativen Zeitgenossen stark frequentierten Lokals ist - wie der Name schon sagt - seine schrille Einrichtung: sie ist nämlich käuflich. Jede Lampe, jeder Sessel, jeder Tisch wurde von aufstrebenden Möbeldesignern gefertigt. Tip: Probesitzen, Kredit aufnehmen, in Möbel investieren! Das Möbel, Burggasse 10, 1070 Wien

Wenn wir uns vom Spittelberg aus in Richtung Mariahilferstraße bewegen und auf diesem Weg die Karl Schweighofergasse benützen, fiele uns mit Sicherheit nicht das Donau auf. Es soll sogar Stammgäste dieses Szenetreffs geben, die am Lokal ein bis zwei mal vorbeigehen, ehe sie die richtige Türe finden. Wer es jedoch mal gefunden hat darf sich in einer der coolsten Locations der Stadt über feine elektronische Musik freuen. Laut! Donau, Karl Schweighofergasse 10, Wien 7

Was wäre Wien ohne U4. Die Discothek bei der U-Bahn-Station Meidling ist nach wie vor eine Klasse für sich. Am Dienstag, beim "Tuesday4Club" wird speziell für Studenten aufgelegt. Zwei Räume mit verschiedener Musik stehen den Tanzwütigen zur Verfügung. Wuzeln kann man auch. Und das Beste: Um sich Mut anzutrinken oder auch das Tanzbein hochzulagern, sind es nur zwei Minuten zum Café Raimann, wo Szeneoriginal und Kellner Franz für den einen Trost und für den anderen Häme parat hat. U4, Schönbrunnerstraße 222 und Café Raimann, Schönbrunner Schloßstraße 285, Wien 12

Klar, den Volksgarten gibt´s auch. Tendenziell eher Ort der Zusammenkunft für Betuchte und solche, die so tun als ob, kann man bei den Studentenfestln auch hier Spaß haben und sich sehen lassen. Volksgarten, Burgring 1, Wien 1

Am schönen Donaukanal liegt das Flex. Hier geht´s eher ruppig zu, die Polizei verfolgt mit Argusaugen das Treiben der Gäste. Musikmäßig hat man sich hier eher auf härtere Rythmen einzustellen. Wer sich vom schweißtreibenden Tanz erholen will, kann draußen an den U-Bahnbögen bunte Graffitis bewundern, ein Bier am Kai einnehmen oder Touristenschiffen nachwinken. Flex, Donaukanal/Augartenbrücke, Wien 1

Komm´ ins Chelsea. Der Musikclub soll an dieser Stelle die boomende Szene rund um und in den alten Schnellbahn-, jetzt U6-Bögen vertreten. Die Stadt tut einiges um die übel beleumundete Gürtelgegend zu reanimieren. Eine Empfehlung. Chelsea, Lerchenfelder Gürtel/ U-Bahn-Bögen 29-31

Die Aufzählung entbehrt jeder Vollständigkeit und gibt lediglich subjektive Erfahrungen des Autors wieder.