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Streit um "das beste Buch"

Von Alexander U. Mathé

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Ein dänischer Autor will eine Satire über Religionen und die Zeit des Propheten Mohammed veröffentlichen.


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Ein treuherziger Blick hinter einer zarten Brille, ein sanftes Lächeln voller Lippen, Krähenfüße und Grübchen, die auf ein Leben in Heiterkeit schließen lassen. Wenn Mut ein Gesicht hat, kann es so aussehen? Es gehört Kåre Bluitgen. Der dänische Autor will am 27. Februar einen "burlesken, satirischen und ernsten" Roman veröffentlichen, in dem er Mekka zur Zeit des Propheten Mohammed beschreibt. Nun ist ja spätestens seit dem blutigen Terroranschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris bekannt, dass Islamisten von der Kombination Mohammed/Satire nicht unbedingt begeistert sind. Und nicht erst seit den Attentaten letztes Wochenende in Kopenhagen und dem dänischen Karikaturenstreit über den Propheten weiß man, dass Dänemark ebenfalls ein Brennpunkt des Terrors ist. In Dänemark also den Propheten Mohammed satirisch zu porträtieren - dazu gehört schon was. Auch wenn in seinem Buch natürlich nicht nur der Islam aufs Korn genommen wird. Auch Christen und Juden streiten um das Jahr 600 darum, wer von ihnen das beste Buch und somit die beste Religion hat. Dementsprechend der Titel des Buchs: "Das beste Buch". Mohammed soll in dem Werk allerdings nicht gerade im besten Licht gezeigt werden: Er trinkt zu viel, sein Sexualleben ist ein Fehlschlag und er heiratet des Geldes wegen eine alte Frau. Dass das Buch genau 50 Tage nach der Ermordung der Journalisten von "Charlie Hebdo" erscheint, sei purer Zufall, erklärt Bluitgen. Ob er nicht Angst vor Drohungen nach der Veröffentlichung hat? "Ja, die könnte es geben. Aber ich habe vier Jahre an diesem Buch gearbeitet", sagt der 55-Jährige. "Wenn ich es nicht wie geplant veröffentlichen würde, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht." Dass er sich nicht einschüchtern lässt, davon zeugen auch die Mohammed-Karikaturen, die in der Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht wurden und zu Gewaltausbrüchen rund um den Globus geführt haben. Bluitgen steht nämlich am Anfang des Streits. Als er sein Kinderbuch "Der Koran und das Leben des Propheten Mohammed" schrieb, suchte er jemanden, der ihm die Illustrationen machen und Mohammed zeichnen würde. Doch niemand traute sich, unter seinem Namen zu zeichnen. Um ihn zu unterstützen und das Ausmaß an Selbstzensur dänischer Künstler auszuloten, fragte "Jyllands-Posten" schließlich bei vierzig Zeichnern um Karikaturen des Propheten an. Zwölf erklärten sich bereit beizutragen. Die so entstandenen Karikaturen entfachten den Streit, ohne jedoch das Kinderbuch zu treffen. Bluitgen ist sich nicht sicher, wie sein neues Buch aufgenommen werden wird. Von Desinteresse bis hin zum großen Thema, hält der Mann mit einem erklärten Interesse an Religionen alles für möglich. Schwer zu sagen also, wie es ausgehen wird. Nur das Ende des Religionsstreits seiner Satire kann er schon verraten: "Das Buch endet mit Ärger."