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Streit zwischen Rumsfeld und Powell um Irak-Verwaltung

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Washington - In der Frage der Nachkriegsverwaltung im Irak zeichnet sich ein heftiger Streit zwischenVerteidigungsminister Donald Rumsfeld und Außenminister Colin Powell ab. Nach einem gestern in der "Washington Post" erschienenen Bericht hat Rumsfeld ein vom Außenministerium vorgeschlagenes Team von hohen Beamten, das den Irak nach dem Sturz Saddams führen soll, abgelehnt.


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Beobachter meinen, Rumsfeld wolle die volle Kontrolle über den Wiederaufbau und die neue Regierung im Irak haben. Das Team, dem der Verteidigungsminister sein Veto entgegengesetzt hat, sollen acht derzeitige oder frühere Beamte des Außenministeriums angehört haben, darunter einige Botschafter, die früher in arabischen Staaten akkreditiert waren.

Das Pentagon hat dafür den früheren CIA-Direektor R. James Woolsey und weitere Persönlichkeiten, die sich seit längerem für eine Absetzung Saddams stark gemacht haben, für Posten in der amerikanischen Zivilverwaltung im Irak, die der frühere General Jay M. Garner leiten soll, vorgeschlagen. Diese Übergangsverwaltung soll so lange im Amt bleiben und für den Wiederaufbau sowie humanitäre Hilfe sorgen, bis eine irakische Regierung eingesetzt ist. Laut "Washington Post" sollen Ressorts wie Erziehung und Handel vom Außenministerium besetzt werden, während das Pentagon das Vorschlagsrecht für Ressorts wie Verteidigung oder Information hat. So soll der Unterstaatssekretär für Verteidigugn in der Regierung Bill Clintons, Walter Slocum, als Verteidigungsminister für den Irak vorgesehen sein und Ex-CIA-Chef Woolsey als Informationsminister. Woolsey ist aber für dieses Amt wegen seiner Geheimdienstvergangenheit umstritten.

Während der als Chef der Übergangsregierung vorgesehene Garner in Kuwait auf den Antritt seines Postens wartet, streiten Rumsfeld und Powell, wer dem Übergangskabinett angehören soll. Powell habe dem Verteidigungsminister in einem Brief am 26. März klar gemacht, dass Zivilbehörden und nicht das Pentagon sich um diese Frage kümmern sollen, berichtete die "Washington Post".

Die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtete Dienstag, die künftige Führung solle aus 23 von US-Bürgern geleiteten Ministerien bestehen. Einige Mitglieder dieser Schattenregierung seien bereits in Kuwait. Die vom US-Oberbefehlshaber General Tommy Franks für "befreit" erklärten Gebiete sollten unter die Kontrolle der neuen Verwaltung kommen. Jedem der 23 Ressortchefs sollen vier irakische "Berater" zur Seite gestellt werden.