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Die unmittelbaren Gefahren, die von der Krise an den Finanzmärkten ausgingen, scheinen gebannt. Die Auswirkungen der Verwerfungen werden jedoch noch viele Monate, wenn nicht Jahre zu spüren sein. Quer über den Globus mussten Banken hohe Verluste verkraften, sich zusätzliches Kapital besorgen, einige wenige konnten den Kollaps nicht abwenden. Die Zinsen sind weltweit im Schnitt merklich höher als vor einem Jahr, die Börsenindices notieren deutlich tiefer.
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Naturgemäß wird nach Möglichkeiten gesucht, ähnliche Unfälle auf der Finanzautobahn in Zukunft zu vermeiden. Hochrangige Banker plädieren für eine Aufweichung jener Bilanzregeln, die Geldinstitute verpflichten, ihre Wertpapierportefeuilles streng nach Marktpreisen zu bewerten. Liquiditätskrisen wie die gegenwärtige führten aufgrund der zeitweiligen Verzerrung der Marktpreise zu ungerechtfertigt hohen Abschreibungserfordernissen.
Dieser Forderung zu folgen, wäre freilich so, als ob die Strafen für Schnellfahrer gesenkt würden, um die Folgen für jene zu mildern, die diesmal noch nicht aus der Kurve geflogen sind, aber bereits mit überhöhter Geschwindigkeit ertappt wurden. Dringend geboten ist vielmehr, die Unfallwahrscheinlichkeit zu reduzieren und die Finanzfahrzeuge mit Airbags und Knautschzonen auszustatten. Es gilt die Bilanzierungsregeln so zu verschärfen, dass es für Banken schwieriger und weniger attraktiv wird, Kredite und Hypotheken aus ihren Bilanzen auszulagern. Wer nämlich nur noch als eine Art Zwischenhändler agiert, indem er Kredite und Hypotheken zwar vergibt, die Forderungen aber nicht auf den eigenen Büchern behält, der hat zwangsläufig nur beschränkten Anreiz, die Bonität der Kreditnehmer bei der Vergabe ausreichend zu überprüfen.
Außerdem sollten die Eigenkapitalanforderungen erhöht werden. Das würde zwar die Profitabilität der Geldinstitute reduzieren, wäre aber eine wirksame Maßnahme, um Unfallwahrscheinlichkeit und -folgen zu mildern.