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Strom aus Holzresten für 45.000 Haushalte

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Seit 1902 ist Simmering ein Standort für Kraftwerke. Ab Juni 2006 wird dort neben den beiden riesigen Gas-Öl-Blöcken das größte heimische Biomassekraftwerk den Betrieb aufnehmen. Es wird ausschließlich mit Hackschnitzeln und unbehandelten Sägeresten gefeuert. Pro Jahr frisst der Ofen davon 600.000 Schüttraummeter oder 200.000 Tonnen. Die finanzielle Verantwortung tragen Wienstrom, Fernwärme und Bundesforste.


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Der Vertrag zwischen den beiden Wien-Energie-Unternehmen Wienstrom, Fernwärme und den Österreichischen Bundesforsten ist abgeschlossen. Alle drei werden die Errichtungskosten von rund 52 Mio. Euro zu gleichen Teilen übernehmen.

Eigene Betreibergesellschaft

Dafür wurde eigens eine Gesellschaft gegündet. Dieser Betreiber nennt sich Wien Energie Bundesforste Biomasse Kraftwerk GesmbH. Geschäftsführer wird Ludwig Gockner, bei Wienstrom für die Erzeugung verantwortlich. Von Fernwärme und Bundesforsten ist ihm je ein Prokurist beigestellt.

Dass das Kraftwerk überhaupt gebaut wurde, liegt am Ökostromgesetz, das im Sommer 2002 beschlossen wurde. Nur der für mindestens 13 Jahre garantierte Einspeisetarif von 10,2 Cent pro Kilowattstunde macht die Investition rentabel. Der Großhandelspreis für die Kilowattstunde liegt derzeit bei rund 3,2 Cent.

Was eine geplante Novelle des Ökostromgesetzes bringen wird, steht noch in den Sternen. Die Verantwortlichen des neuen Kraftwerks brauchen nicht zittern, sie können weiterhin mit den günstigen Förderbedingungen rechnen, da alle Genehmigungen bis Ende 2004 erteilt werden. Somit fällt das Projekt noch in das alte Förderregime.

Das Kraftwerk läuft auf wirtschaftlicher Sparflamme, im Vordergrund steht der ökologische Aspekt, es darf jedoch kein defizitäres Unterfangen werden. Ab 2013 sollte es die Gewinnzone erreichen. Falls diese mit dem Brennstoff Holz nicht erreichbar ist, dann ist noch unklar ob weiterhin Ökostrom produziert wird oder ob die Anlage auf einen anderen Brennstoff umgerüstet wird.

Denn Strom aus Hackschnitzeln zu erzeugen ist rund dreimal teurer als aus konventionellen Brennstoffen. Der nachwachsende Rohstoff profitiert allerdings von den stetig steigenden Öl- und Erdgaspreisen.

Weiters ist für die Rentabilität die Beschaffenheit des Holzes verantwortlich. Es muss so trocken wie möglich sein. Aus diesem Grund überlegt die Biomasse-Gesellschaft, ob als Zusatzinvestition ein Holzvortrockner angeschafft wird, welcher die Abwärme des Kraftwerks verwendet. Vor allem die Bundesforste sind an dieser Zwei-Millionen-Euro-Investition interessiert, da damit die Brennleistung des Holzes um 16% verbessert werden kann.

Wien-Energie-Chef Michael Obentraut hofft jedenfalls, dass sein Unternehmen mit dem Biomasse-Erstling Technologiekompetenz beweisen kann. Auch der Umweltaspekt ist ihm, der sonst beinhart kalkuliert, sehr wichtig. "Eine solche Investition wird von den Wienern auch honoriert."

Holz aus dem Ausland

Das Kraftwerk hat eine elektrische Leistung von 22 Megawatt (MW), wird auch Wärme produziert, sinkt diese allerdings auf 14 MW. Die Fernwärmeleistung liegt bei 37 MW. Sofern Fernwärme produziert wird, liegt der Wirkungsgrad bei 83% bei reiner Stromerzeugung bei 35%. Damit können rund 45.000 Haushalte mit Strom und 12.000 mit Fernwärme versorgt werden. Die Anlage, so Gockner, wird 8000 Stunden pro Jahr laufen. Die beiden bestehenden Blöcke, die mit Gas und Öl gefeuert werden, haben eine elektrische Leistung von je 400 MW.

Das Holz liefern die Bundesforste, es sollte keinen längeren Weg als 100 km hinter sich legen. Ein Teil kommt aus Niederösterreich und der Steiermark, doch es werden auch beträchtliche Mengen aus Ungarn und Tschechien angekauft. Einerseits weil dort die Hackschnitzel günstiger sind, andererseits damit es zu keinem Engpass kommt. Der Transport erfolgt mit Laster, mit der Bahn und per Schiff. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, können sich die Bundesforste vorstellen, Partnerschaften im benachbarten Ausland einzugehen, um auch dort Biomassekraftwerke zu errichten. In anderen Bereichen existieren solche Joint-Ventures bereits.

http://www.wienenergie.at .

http://www.bundesforste.at .