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Studierte Schützer, Helfer, Kämpfer

Von Walter Hämmerle

Politik

Das Ziel der Theresianischen Militärakademie (MilAk) war stets das gleiche: Offiziere für das Österreichische Bundesheer auszubilden. Ständig wechselnde Herausforderungen und Anforderungen verlangten jedoch auch nach neuen Wegen zu diesem Ziel. Seit 1. Jänner 1998 ist die MilAk als Fachhochschule (FH) mit dem Studiengang "Militärische Führung" in das akademische Bildungssystem Österreichs integriert.


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Nicht einmal die altehrwürdige Theresianische Militärakademie war vor dem schleichenden Einfluss "Brüssels" sicher: Der europäische Einigungsprozess und die hierdurch notwendig gewordene Vergleichbarkeit des österreichischen mit anderen Militärs machte eine grundlegende Umstrukturierung der heimischen Offiziersausbildung erforderlich. Seit dem 1. Jänner 1998 wurde daher die Ausbildung zum Truppenoffizier auf FH-Niveau gehoben. Die angehenden Offiziere erhalten ihre Ausbildung nun im akademisch organisierten FH-Studiengang "Militärische Führung" in Verbindung mit dem militärisch geführten Truppenoffiziers-Lehrgang. Dieser Studiengang steht auch Zivilpersonen offen, die nicht den Beruf eines Offiziers anstreben.

Der Weg zum Offizier

Bewerber rücken nach der Matura im Oktober als "Einjährig-Freiwillige" ein. Ist diese erste Hürde überstanden, folgt ein Vorbereitungssemester für die Ausbildung zum Berufsoffizier, an dessen Ende sich die Kandidaten einem Auswahlverfahren für den 6-semestrigen FH-Studiengang unterziehen müssen. In diesen 6 Semestern muss jeder Studierende in der vorlesungsfreien Zeit ein Praktikum von mindesten 12 Wochen absolvieren. Für Soldaten wird dieses vom Bundesheer organisiert, Zivilisten leisten ihr Praktikum in der Regel bei zivilen Einsatzorganisationen ab. Das Berufspraktikum darf frühestens im 3. Semester begonnen werden.

Der Studiengang ist berufsbegleitend organisiert. Jedes Semester besteht aus 15 Wochenstunden zu je 30 Unterrichtseinheiten. Im ersten Studienabschnitt (vier Semester) sind pro Semester jeweils 30 Wochenstunden zu inskribieren. Für die Zulassung zum zweiten Studienabschnitt (zwei Semester) ist der positive Abschluss des ersten erforderlich. Die Lehrveranstaltungen sind teilnahmepflichtig und werden mit einer Prüfung abgeschlossen.

Im 5. Semester ist das jeweilige Vertiefungsgebiet an den Waffen- und Fachschulen zu absolvieren. Hier richtet sich die Studienplätzezahl nach dem Bedarf des Bundesheeres. Im 6. Semester erfolgt der Abschluss der Diplomarbeit.

Krönender Abschluss ist die Sponsion zum "Magister/Magistra (FH)" und die Ausmusterung zum Leutnant des Österreichischen Bundesheeres.

Schützer, Helfer, Kämpfer

Mindestens so sehr wie der Ausbildungsweg ist auch das Berufsbild des österreichischen Offiziers dem Wandel ausgesetzt. So sind in den letzten Jahren nationale und internationale Hilfseinsätze immer wichtiger geworden. Nicht zuletzt daraus leitet sich das Bild vom Offizier als Schützer, Helfer und Kämpfer ab. Das Leitbild sieht ihn ebenso sehr als Lehrer und Erzieher wie als weltoffen und trotzdem der Identität als Österreicher verpflichtet. Die Ausbildung soll jene Schlüsselqualifikationen vermitteln, die zur Erfüllung dieses Leitbildes nötig sind.