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Styling

Von Rotraud A. Perner

Wissen

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FIFA-Präsident Joseph Blattner möchte weibliche Fußballteams in "feminineren" Dressen sehen und hofft dadurch auf Sponsoren aus Mode- und Kosmetikindustrie. Umgehender Protest von Spielerinnen folgte: er möge Sport nicht sexualisieren - wer weibliche Reize sehen wolle, sollte sich Playboy-Hefteln kaufen, auf dem Fußballfeld gehe es um Leistungen, nicht um Aussehen. Sofort drängt sich mir der Gedanke an David Beckham auf. Er ist mittlerweile auch schon mehr als "metrosexuelle" sprich geschminkte und gestylte Mode-Ikone bekannt denn als Sportler - und ich vermute, dass er dafür auch ebenso abcasht wie Schiläufer, Rennfahrer und Tennisprofis.

Der Mensch als wandelnde Litfass-Säule. Wehmütig denke ich an WaLuLiSo zurück - der hat mit seinem Styling noch für eine - seine - Werthaltung geworben: Wasser, Luft, Licht, Sonne. Freikörperkultur. Gesundheit. Wenn ich an die zum Teil entsetzlichen Unfälle der Sportler/innen denke, die gegen die Zeit kämpfen, fällt es mir schwer, irgendetwas Gesundes bei diesen "Sportereignissen" zu finden. Ich finde Kommerz: die Planken voll mit Uhren-Werbung, die Dressen mit Logos zugepflastert, die Fernsehübertragungen mit freundlichen Hinweisen auf den Big Spender der stressfördernden Sendungen ein- und ausgeleitet.

Auszeichnungen

Da fände ich es schon netter, wenn die Firmen Quasi-Orden designen ließen und den Sportler/innen je nach Verdienst spenden würden. Damit würde nämlich eine echte Alternative zu den sogenannten militärischen Verdiensten geschaffen, die man damit in das Museum der Vergangenheit verlegen könnte. Ich erinnere mich an den Satz des Spillener Bürgermeisters, des Medizinhistorikers Univ. Doz. Dr. Karl Sablik, der anlässlich der Eröffnung seines neuen Rathauses auch ein Waffenmuseum eröffnete. Ein Sammler hatte sich von seinen Schätzen getrennt und sie der Gemeinde verehrt. Sablik kommentierte: "Alle Waffen dieser Welt gehören ins Museum!"

Ja, die Sieger von Wettkämpfen - ich sage lieber: Wettbewerben - sollen Ehrungen bekommen, nicht die von Kriegen. Und sie sollen auch für Fairness ausgezeichnet werden, für demonstrativen Gewaltverzicht. Dafür sollte es Alltagsehrungen geben, nicht nur den Friedensnobelpreis.

Respekt

Gewaltverzicht üben lässt sich beispielsweise immer dann, wenn man verlockt wird, Persönlichkeitsmerkmale zu bewerten (im Gegensatz zu Verhalten! Dieses soll sehr wohl kritisiert oder gar verpönt werden, wenn es unehrlich, unehrenhaft oder kriminell ist).

Ich zitiere in meinen Seminaren oft EU-Kommissar Franz Fischler aus einem ZiB 2-Interview mit dem unvergessenen Robert Hochner zum Thema Aufhebung des Bankgeheimnisses. Vorher hat der damalige Bundeskanzler Vranitzky geätzt, "Wir brauchen keine Besserwisser aus Brüssel", und Hochner fragte listig "Was sagen Sie zu den Äußerungen des Bundeskanzlers?" Fischler konterte in etwa: "Zu dem Stil der Äußerung will ich nichts anmerken, sachlich wäre dazu zu sagen..." Diesen Stil lob ich mir!

Derzeit finden es manche nötig, das persönliche Styling der Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin zu bemeckern. Zu viel Schminke, zu viel Schmuck. Diese Wahrnehmung kann ich nicht teilen. Sie bevorzugt den Stil Chanel - wie viele Diplomatinnen. Das ist IHR Stil - und der ist als der ihre zu respektieren. Er ist bei ihr ohnedies sehr dezent.

Die Kritikerin bevorzugt eben den Stil Jill Sander, und über Stirnfransen bis zur Nasenwurzel oder metallische Riesenbroschen am puristischen Revers kann man auch geteilter Meinung sein - ebenso wie über Mascherln statt Krawatte oder rote und blaue Schals... nur: mit Politik von Politiker/innen hat so etwas wenig zu tun - mehr aber mit der Marketingpolitik allfälliger "Sponsoren".