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Subventionen als verfehlte Rettungsmaßnahmen

Von Monika Köppl-Turyna

Gastkommentare
Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.

Förderungen für scheiternde Firmen mögen im Kampf gegen Veränderung kurzfristig helfen, lösen das Grundproblem aber nicht.


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Nichts schreit so sehr nach Umdenken wie öffentliche Gelder für veraltete Zweige auszugeben und auf Besserung zu hoffen. Während der globale Wettbewerb mit immer schnellerer Geschwindigkeit voranschreitet, fragen sich die politischen Entscheidungsträger, wie sie angeschlagene Branchen schützend am Leben erhalten können, statt Innovationen zu fördern. Und wie könnte man das einfacher machen als durch Förderungen für scheiternde Unternehmen?

Dieser Ansatz mag zwar kurzfristig den betroffenen Betrieben helfen, doch ist es unwahrscheinlich, dass er die zugrundeliegenden Probleme tatsächlich löst. Diese Art von Subventionierung kann kontraproduktiv sein und den Übergang zu neuen, innovativeren Sektoren behindern, die besser gerüstet sind, um in der modernen Wirtschaft zu gedeihen.

Ein Wirtschaftszweig, der von starken Veränderungen betroffen ist, ist das Gaststättengewerbe, vor allem in ländlichen Gebieten. Da immer mehr Menschen auf der Suche nach besseren Möglichkeiten und einer höheren Lebensqualität aus dem ländlichen Raum wegziehen, ist die Nachfrage nach Restaurants in diesen Regionen zurückgegangen. Es mag zwar verlockend sein, diese angeschlagenen Unternehmen mit Subventionen zu stützen, doch ist dies wahrscheinlich keine nachhaltige Lösung.

Was stattdessen passieren müsste, wäre, diese Regionen zu attraktiveren Orten zum Leben und Arbeiten zu machen. Und das ist mit moderner Technologie durchaus möglich. Ein Drittel aller Jobs in Österreich könnte von der Ferne erledigt werden. Für Homeoffice braucht es aber etwa schnelles Internet - und hier hinkt Österreich in ländlichen Regionen massiv hinterher. Man kann alte Häuser zu Coworking Spaces umfunktionieren. Ein Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten würde auch helfen, um junge Menschen in den abgelegenen Regionen zu halten.

Ein anderes Problem wird bald insbesondere in Westösterreich akut werden. Der Klimawandel hat erhebliche Auswirkungen auf die Bergregionen, die für den Wintersport auf Schnee angewiesen sind. Da die Temperaturen weltweit weiter steigen, fällt jedes Jahr weniger Schnee, was zu einem Rückgang der Zahl der Touristen führen wird, die diese Gebiete zum Wintersport besuchen. Es mag zwar verlockend sein, zu versuchen, diesen Rückgang durch Förderungen abzumildern, aber in Wirklichkeit sind diese Maßnahmen auf lange Sicht wohl kaum wirksam. Auch hier gilt: weniger Symptombekämpfung und mehr strukturelle Veränderungen. Etwa durch die Entwicklung neuer, nachhaltiger Tourismusstrategien, die besser an den Klimawandel angepasst sind oder die Förderung von ganzjährigen Aktivitäten, die nicht auf Schnee angewiesen sind, wie Wandern, Mountainbiking und Wassersport. Sowie Investitionen in neue Infrastrukturen und Einrichtungen zur Unterstützung dieser Aktivitäten.

Letztendlich ist es klar, dass der Versuch, den Fortschritt mit Geldern der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler aufzuhalten, so ist, als würde man versuchen, die Flut mit einem Besen aufzuhalten. Es mag zwar eine vorübergehende Gnadenfrist geben, aber der unaufhaltsame Vormarsch von Technologie und Innovation wird schließlich selbst die am besten gemeinten Subventionen als verfehlte Maßnahmen entlarven.

So eine Wirtschaft: Die Wirtschaftskolumne der "Wiener Zeitung". Vier Expertinnen und Experten schreiben jeden Freitag über das Abenteuer Wirtschaft.