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Suche nach Lösungen in den Schweizer Bergen

Von Thomas Seifert

Politik
Die Kirche von Zermatt.
© Thomas Seifert

Zum dritten Mal fand das "Zermatt Summit" statt. Thema: Gemeinwohl.


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Zermatt. Das Matterhorn im Blick, saubere Luft, ein wunderschönes Bergdorf, kurz: ein Alpen-Disneyland. Hier trafen sich bereits zum dritten Mal Kirchenvertreter, Entrepreneure, Ökonomen, Manager und Globalisierungskritiker, um über Gemeinwohlwirtschaft zu diskutieren.

Eingestimmt wurden die Teilnehmer mit einem kleinen Spiel, dem sogenannten Prisoners-Dilemma. Moral der Geschichte: Egoisten verlieren, wer kooperiert, gewinnt.

Das entspricht ganz der Grundphilosophie der Organisatoren des "Zermatt Summit": Sie träumen von einer Wirtschaft, in der das Gemeinwohl, in dem der Mensch im Vordergrund steht. Die Teilnehmer haben die sogenannte Zermatt-Deklaration verabschiedet: "Um die derzeitige Krise zu überwinden, muss jeder seine Verantwortung wahrnehmen und das Versprechen abgeben, am Gemeinwohl zu arbeiten. Das ist angesichts der derzeitigen Herausforderungen unumgänglich." Der Präsident der Stiftung, Christopher Wasserman: "Bei der Zermatt Summit-Stiftung teilen wir alle die Meinung, dass wir Globalisierung und das derzeitige Wirtschaftsmodell überdenken müssen".

"Wir glauben an individuelle Initiativen für das Gemeinwohl. Wir wollen lieber dienen als zu unterwerfen und wir wollen zeigen, dass der Wandel möglich
ist", meint er. In den einzelnen Arbeitsgruppen wurde diskutiert, wie ein neues Wirtschaftsmodell aussehen könnte.

Neue Belohnsysteme

Die Belohnsysteme des Bankensystems wurden kritisiert und das Auseinanderdriften der sozialen Schichten in den meisten westlichen Gesellschaften beklagt. Bankenboni soll es nur mehr geben, wenn der nachhaltige Erfolg der Investmentstrategie erwiesen ist. Das soll Bankenkrisen verhindern helfen und den Gamblern den Spaß verderben, wie einer der Teilnehmer meint.

Der Zukunftsforscher Patrick Dixon, Vorsitzender von Global Change, meinte: "Die meisten von uns sind der Meinung, dass wir so nicht weitermachen können. Um aber Änderungen herbeizuführen, ist es notwenig, dass wir auf allen Organisationsebenen - den politischen, wirtschaftlichen und religiösen- zusammenarbeiten und neue Modelle entwickeln."

Doch wie kann ein Wirtschaftssystem aussehen, in dem nicht der Erfolg des Einzelnen, sondern der Nutzen für die gesamte Gesellschaft belohnt wird? Wie sehen Preissysteme aus, bei denen der Verkäufer von Waren und Dienstleistungen für die Einsparung von Ressourcen und Gütern belohnt wird und nicht für deren Verbrauch?

Und wie sieht ein Steuersystem aus, bei dem die externen Kosten, also die sozialen und Umweltfolgen besteuert und ins Produkt eingepreist sind? Chandra Nair lässt aufhorchen, als er den "wahren Preis" eines Hamburgers mit "100 Pfund" angibt, der sich ergeben soll, wenn man alle externen Kosten miteinberechnet.

Eurokrise allgegenwärtig

Aber trotz des ganzheitlichen Ansatzes des "Zermatt Summit" diskutierten die Teilnehmer auch die aktuelle Lage: Ein Teilnehmer aus Deutschland, ein christlicher Entrepreneur, wie er sich selbst bezeichnete, zeigte wenig Verständnis für das "immer schnellere Aufspannen immer weitere Rettungsschirme".

Im kommenden Jahr wollen die Teilnehmer sich einmal mehr den Kopf darüber zerbrechen, wie der menschliche Faktor im Globalisierungsprozess eine wichtigere Rolle spielen kann. Der Blick aufs Matterhorn sollte auch 2013 helfen, die Gedanken zu ordnen.